Personal Computing

PC-Markt stottert trotz Mobility

Wenn Günther Hirtzer, Country Manager Österreich der Wortmann AG, die vergangenen 12 Monate Revue passieren lässt, so schwingt der Leidenszyklus einer ganzen Branche mit: »Bis Juli 2014 hatten wir durch das Support-Ende von XP eine phänomenale Entwicklung, die in dem Umfang niemand vorgesehen hatte. Danach hat sich der Markt relativ schnell abgeschwächt. Diese Schwächephase dauert bis jetzt an. Die Preise sind extrem unter Druck, bedingt durch hohe Lagerbestände. Investitionen werden offensichtlich zurückgehalten wegen verschiedener politischer Unwägbarkeiten in der EU.«

Der PC-Markt schrumpft. Die Hersteller haben im ersten Quartal 2015 in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika nur 20,2 Mio. Stück Computer verkauft – gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Marktminus von 7,7%. Der Rückgang entspricht laut IDC nach einem starken Jahr 2014 jedoch den Erwartungen. Nun fehlen die Impulse durch das Support-Ende von Windows XP, das viele Unternehmen zum Anlass genommen hatten, ihre Systeme im letzten Jahr zu erneuern. Darüber hinaus wirkten sich politische Spannungen in der EMEA-Region und der starke Dollar negativ auf die Branche aus. Viele Hersteller hatten ihre Preise in lokalen Währungen erhöht, was den Absatz von PCs in der kriselnden Eurozone abgeschwächt habe.

„Die Auswirkungen von wichtigen Softwareprodukten werden oft unterschätzt«, Günther Hirtzer, Country Manager Wortmann AG.

„Die Auswirkungen von wichtigen Softwareprodukten werden oft unterschätzt«, Günther Hirtzer, Country Manager Wortmann AG.

Die Zahl der verkauften Desktop-Computer schrumpfte um 14%. Im Notebook-Segment ermittelte IDC ein Minus von 3,6%. IDC weist aber auch auf regionale Unterschiede hin. In Zentral- und Osteuropa brach der Markt zwischen Jänner und März um 23% ein. Im Mittleren Osten und Afrika betrug das Minus 10%. In Westeuropa gaben die Verkäufe hingegen nur um 2% nach. In den kommenden Quartalen rechnet IDC nicht mit einer Besserung. Günther Hirtzer orientiert sich eher an den positiven Aspekten: »Wir hoffen auf eine Erholung in Q4, unter anderem auch begründet mit der Einführung von Windows 10 im Sommer. In den letzten Jahren wurden die Auswirkungen von wichtigen Softwareprodukten stets unterschätzt, sowohl bei Entwicklungen noch oben als auch nach unten.«

Auch Intel leidet. Dass sich Notebooks und Desktops schlechter verkaufen, drückt auch auf die Intel-Bilanz. Der Konzern liegt zwar gut im Geschäft mit Prozessoren für Rechenzentren. Doch der Umsatz in der PC-Sparte fiel im Jahresvergleich um 8% auf 7,4 Mrd. Dollar. Im Vergleich zum Vorquartal war es sogar ein Minus von 16%. Das operative Ergebnis der Sparte fiel binnen eines Jahres um fast ein Viertel auf gut 1,4 Mrd. Dollar. Während Intel nach Stückzahlen 6% mehr Chips absetzte, fiel der durchschnittliche Verkaufspreis um 13%.

Günther Hirtzer relativiert: »Der klassische Desktop-PC als multifunktionales und leistungsfähiges System ist auf jeden Fall noch kein Auslaufmodell. Er hat viele Vorteile, an die kein mobiles Device heranreicht. PCs sind sehr individuell zu konfigurieren, ermöglichen ein ergonomisches Arbeiten mit mehreren Bildschirmen und sind robust und günstig. Für ein produktives Arbeiten gibt es nichts Besseres als einen PC.« Innovationen und neue Formfaktoren würden auch dazu führen, dass sich der PC weiter verändert, entwickelt und für eine Vielfalt sorgt, die vor Jahren so niemand erwartet hätte.

PCs werden teurer. Intel und Partner hoffen nun allerdings auf PC-Verkäufe im Geschäftsbereich und das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 10, das für einen Absatzturbo sorgen soll. Doch die Preise für PCs werden noch deutlich ansteigen, prognostizieren auch die Marktforscher von Gartner. Schuld ist der starke Dollar. Verkäufer von Endgeräten müssten die PC-Preise erhöhen, um die Effekte der Entwertung verschiedener Währungen auszugleichen. Deshalb würden die Preise für PCs in der Eurozone und in Japan im Jahr 2015 um bis zu 10% steigen.

„Der PC-Markt wird weiterhin eine große Herausforderung bleiben«, Brian Krzanich, CEO der Intel Corp.

„Der PC-Markt wird weiterhin eine große Herausforderung bleiben«, Brian Krzanich, CEO der Intel Corp.

Der Anstieg des Dollar gegenüber den meisten anderen Währungen spiegle sich derzeit schon deutlich in den Bilanzen vieler Unternehmen wider, erklärt Gartner-Analyst Ranjit Atwal. PC-Herstellern, die ihre Geräte nach Europa oder Japan verkaufen, wo die Währungen um bis zu 20% eingebrochen sind, bliebe gar keine andere Möglichkeit als die Preise anzuheben, um ihre Margen stabil zu halten.

Tablet-Verkäufe rückläufig. Aber auch die Tablet-Verkäufe gehen zurück. Im Weihnachtsgeschäft 2014 machte sich die schwächere Nachfrage bei vier der fünf Top-Hersteller bemerkbar. Wie IDC ermittelte, wurden im Jahresendquartal weltweit 76,1 Mio. Tablets verkauft, ein Rückgang von 3,2%. Die Verkaufszahlen von Apple, Samsung und Asus brachen sogar zweistellig ein. Nur Lenovo verkaufte im Jahresendquartal 9,1% mehr Tablets und konnte seinen Marktanteil auf 4,8% ausbauen. Damit liegt der chinesische Hersteller laut IDC weltweit auf Platz drei hinter Apple und Samsung. Die beiden Marktführer büßten dagegen Anteile ein. Laut IDC verkaufte Apple im vierten Quartal 2014 21,4 Mio. iPads, 17,8% weniger als im Vorjahr. Damit liegt der US-Hersteller mit einem weltweiten Marktanteil von 28,1% aber noch mit einem komfortablen Vorsprung vor Samsung mit 14,5%.

Deutlich zulegen konnte allerdings die Vielzahl kleinerer Hersteller, die IDC unter »Andere« zusammenfasst. Sie verkauften im vierten Quartal fast 10 Mio. Tablets mehr – von 25,8 Mio. Geräten auf 35,2 Mio., was einer Steigerung von 36,2% entspricht. Für das Gesamtjahr 2014 ermittelt IDC allerdings noch einen Anstieg der weltweiten Tablet-Verkaufszahlen um 4,4% – von 219,9 Mio. Geräten auf 229,6 Mio. Geräte.

Als Platzhirsch in deutschen Landen sieht sich Wortmann mit deinen TERRA-Produkten bodenständig verankert: »Der Notebook- und Pad-Markt ist leicht steigend«, sagt Hirtzer und verweist zudem auf die eigene Innovationskraft: »Microsoft hat jetzt in Zusammenarbeit mit Intel und Terra ein ganz besonderes Tablet für den Mittelstand im Angebot. Ein Tablet, das auch die verschiedenen Herausforderungen auf der Baustelle, im Handwerksbetrieb oder etwa in der Arzt- und Heilpraxis mit Bravour meistert.«

Enterprise Mobility. Wie wichtig für Unternehmen jeglicher Größe hingegen eine umfassende Strategie für Enterprise Mobility ist, verdeutlicht eine von Techconsult im Auftrag von Microsoft durchgeführte Studie, für die IT-Manager in über 300 deutschen Unternehmen mit mehr als 250 PC-Arbeitsplätzen befragt wurden.

Manager, deren Firmen in den vergangenen Jahren Mobility-Lösungen eingeführt haben, berichten von deutlichen Effizienzsteigerungen bei ihren Arbeitsabläufen (69%). Als weitere Vorteile wurden eine bessere Erreichbarkeit, sinkende Kosten innerhalb der Abteilung und ein agileres Handeln genannt.

All das wirkt sich positiv auf die Leistungsbilanz aus. So haben der Studie zufolge die IT-Abteilungen, die Enterprise Mobility in ihre Unternehmensstrategie aufgenommen haben und durch Mobility-Maßnahmen unterstützen, im Vergleich zu vor drei Jahren um 12% an Produktivität zugelegt. Dort, wo Mobility nur in einzelnen Bereichen gefördert wird, fällt der Leistungszuwachs mit 9% geringer aus. Ohne Mobility-Unterstützung liegt er nur bei 7%.

Allerdings stellt die Einführung von Mobility-Lösungen die Unternehmen vor Herausforderungen. Als Beispiel dient das Mobile Device Management, das an Komplexität zulegt und Probleme etwa beim Monitoring oder der Fehlerbehebung an Mobilgeräten verursacht. Um die Vorteile wie Effizienzsteigerung oder Kostenreduzierungen durch den Einsatz von Enterprise Mobility auch nachhaltig nutzen zu können, bedarf es daher einer umfassenden Enterprise Mobility Strategie, so die Studie. Die neu anfallenden Anforderungen in den bestehenden Strukturen sind nur schwer zu bewältigen und die Organisationen sind auf Unterstützung, notfalls auch von außen, angewiesen.

Doch nicht nur die Unternehmen profitieren vom Einsatz von Mobility-Lösungen, auch die Mitarbeiter. Bei ihnen rangieren Mobilgeräte mittlerweile ganz vorn, wenn es darum geht, die Work-Life-Balance zu steigern. 41% der befragten IT-Verantwortlichen wünschen sich die Kostenübernahme durch den Arbeitgeber. Der Dienstwagen, der lange viel stärker gefragt war, interessiert nur noch 31%.

Eigenes Mobility-Budget. Enterprise Mobility hat sich zu einem IT-Thema entwickelt, an dem kein Unternehmen noch vorbeikommt. Effizientere Geschäftsprozesse, produktivere Mitarbeiter, schnellere Entscheidungen und eine einfachere Zusammenarbeit sind avisierte Vorteile durch den Einsatz mobiler Technologie.

Die Herangehensweise, um diese zu erschließen, ist in vielen Unternehmen gereift: Jede zweite Organisation hat einer von IDC im Oktober 2014 durchgeführten Befragung eine Mobility-Strategie definiert und implementiert – im Vergleich zum Jahr 2012 ein Zuwachs um fast 20%.

Enterprise Mobility ist somit kein Nischenthema mehr, sondern beschäftigt heute Unternehmen jedweder Größe und Branche in Deutschland. 62% der Unternehmen zählen dabei die Verbesserung der Mobile Security zu den drei wichtigsten Initiativen in den kommenden 12 Monaten. Nach Einschätzung von IDC ist die Gewährleistung der Sicherheit von mobilen Geräten, Applikationen und Inhalten eine der aktuell größten Herausforderung für Unternehmen, denn jedes mit dem Firmennetz verknüpfte Gerät stellt ein potentielles Einfallstor für Fremdzugriffe dar.

Für Fachbereichsverantwortliche ist eine einheitliche Bedienung von Anwendungen, unabhängig vom gewählten Endgerät, die wichtigste Aufgabe für die IT in 2015. Mitarbeiter wollen die Anwendungen, die sie an ihrem Desktop-PC nutzen, auch auf ihrem Smartphone und Tablet-PC verwenden. Und zwar in gewohnter Art und Weise. Unternehmen sind aus IDC-Sicht daher nicht nur gefordert, mobile Apps für die Anwender bereitzustellen, sondern auch eine durchgängige Nutzung über alle Endgeräte zu ermöglichen.

Die Einführung oder Ausweitung von Enterprise Mobility Management (EMM) Software ist für die IT-Verantwortlichen die zweitwichtigste Mobility-Initiative im kommenden Jahr. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen beabsichtigt in 2015 EMM-Software erstmalig einzuführen. IDC prognostiziert eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bis zum Jahr 2018 von 11%.

Hardware-Markt noch nicht gesättigt. Auch wenn die Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs in Unternehmen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, ist noch keine Sättigung der Nachfrage in Sicht. Drei von vier Unternehmen planen, den Einsatz der Smart Devices auszuweiten. Die meisten Organisationen planen einen Anstieg von 6 bis 10% in den kommenden 12 Monaten – sowohl bei Smartphones als auch bei Tablets. Zudem eröffnen Gerätetypen wie hybride Geräte (2-in-1s und Convertibles) oder Phablets neue Use Cases. Das Ergebnis deckt sich mit der IDC Markt-Einschätzung. Der Smartphone und Tablet-Boom ist also noch nicht vorbei.

Fazit. In den letzten Jahren ist die Herangehensweise an Enterprise Mobility in Unternehmen gereift. Vor dem Hintergrund, dass durchschnittlich mehr als 50% der Mitarbeiter zumindest ab und zu mobil arbeiten, bietet sich für Unternehmen durch mobile Technologie großes Potenzial. Kein Unternehmen kann es sich noch leisten, Enterprise Mobility zu ignorieren, denn dies wird mittelfristig zu Wettbewerbsnachteilen in ihrem Kerngeschäft führen.

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