IKT-Trends 2014

Die Digitalisierung des Business

Sondergaard-GartnerDie digitale Welt ist da, proklamierte Peter Sondergaard, Global Head of Research bei Gartner, vor rund 2.000 CIOs und IT-Verantwortlichen auf der ITxpo im November 2013 in Barcelona. Das führe dazu, dass jedes Budget ein IT-Budget sei, jede Firma eine Technologie-Company und jede einzelne Person ein eigenes Technologie-Unternehmen. Das führe zum Beginn einer neuen Ära: der Digital Industrial Economy.

»Die Digital Industrial Economy wird auf den Säulen des Nexus of Forces gebildet – der Integration von Cloud, Social Collaboration, Mobilität und Information – und dem Internet of Everything, indem sie die physische und die virtuelle Welt kombiniert«, so Sondergaard. »Digitalization setzt jeden Teil eines Business und seine Operationen diesen Kräften aus. Es geht darum, wie man Kunden und Auftraggeber erreicht, wie man sein physisches Geschäft betreibt, wie man Umsätze generiert oder Services ausführt. Unternehmen, die diesen Weg heute verfolgen, werden die neue Digital Industrial Economy anführen.«

Von IT ist bei Gartner immer seltener die Rede. Zwar gehe es immer noch um Information und Technik, aber der Begriff sei zu eng geworden. Bei »Digitalization« gehe es nicht um Einsen und Nullen, so Sondergaard. Der Begriff stehe vielmehr für die grundlegende Transformation des Business. 2020 werde jedes Geschäft von Technologie geprägt sein. Virtuelle und reale Welt verschmelzen, Grenzen zwischen Branchen verwischen. Die gewohnten Innovations-, Produktions- und Marketing-Zyklen beschleunigen sich rasant – und die IT laufe Gefahr nicht mitzukommen: »Eine Marketing-Kampagne muss sich innerhalb von Wochen auszahlen. Diese Zeit brauchte die IT früher allein für die Planung.«

Neue Techniken wie das »Internet der Dinge«, 3D-Drucker und automatisierte Entscheidungsfindung werden den Charakter der IT verändern, prophezeit Sondergaard: »Ein zunehmender Teil des Marktwachstums kommt künftig von dieser nicht-traditionellen IT.« Während der herkömmliche IT-Markt nur noch jährliche Wachstumsraten von 3% erzielen werde, sagen die Gartner-Analysten dem Internet der Dinge Umsatzsteigerungen von 30% jährlich voraus.

Was bis 2017 anders wird. Damit verändert sich auch die Anbieterlandschaft. Laut einer Gartner-Umfrage erwarten zwei Drittel der CIOs, dass ihr Hauptlieferant bis 2017 ein anderer sein wird als heute. Unternehmen, die heute noch niemand kennt, könnten schnell große Teile des Marktes übernehmen.

Die Infrastrukturen werden sich im Zuge der Digitalisierung ebenfalls ändern. Data-Center-Kapazität wird häufiger aus der Cloud bereitgestellt – 2017 schon zu mehr als einem Drittel. Dies führe aber zu einer neuen Angreifbarkeit, der die IT-Verantwortlichen zeitig begegnen müssten – am besten durch »Privacy by Design«, indem sie den Sicherheitsaspekt schon im Lösungsentwurf berücksichtigen: »Eine Feuerwehr, die nur reagiert, wird das Feuer nicht mehr löschen können«, so Sondergaard.

Big-Data-Techniken könnten auch hier gute Dienste leisten, führt er weiter aus – durch »Rapid Detection and Response«. Hierhin sieht Gartner in den nächsten Jahren einen immer größeren Teil der Security-Investitionen wandern.

Was der CIO tun kann. Aber was kann der CIO zu all diesem Wandel tun? Der sollte sich ernsthaft mit den Zukunftsthemen »Internet of Everything«, 3D-Druck und Automatisierte Entscheidungen auseinandersetzen.

Diese drei Themen sind aus Gartner-Sicht die Nachfolger des im vergangenen Jahr propagierten »Nexus of Forces« (Mobile, Social, Cloud und Big Data). Konkret sollte der CIO folgende Schritte unternehmen:

1. Business-Prozesse digitalisieren, also Produkte daraufhin untersuchen, wie sie sich mit Hilfe der Technik verändern bzw. in Services umwandeln lassen.

2. Dabei helfen, Business-Modelle zu ändern (z.B. Autoversicherung nach gemessenen Fahrtkilometern, quasi »pay as you drive«, oder 3D-Druck von Ersatzteilen, wo es im Prozess sinnvoll ist).

3. »Business-Momente« entdecken und nutzen, sprich: die kurzen Zyklen ausnutzen, Kickstarter unterstützen, Crowd-Funding und Crowd-Sourcing nutzen, spontane Aktionen des Business flexibel abbilden.

»Früher war die Technik ein Bürger zweiter Klasse, quasi der Sklave des Business «, ergänzt Nick Jones, Distinguished Analyst bei Gartner. »Diese Auffassung ändert sich gerade.« Wer wirklich gut im Business sein will, muss heute auch wirklich gut in Technik sein.

Jeder zweite CIO fühlt sich bereit. Und wie fühlen sich die CIOs angesichts dieser Perspektiven? Manchen von ihnen ist mulmig zumute. Nur jeder zweite glaube, er sei für die Digitalisierung des Business vorbereitet, berichtet Gartner Fellow Dave Aron.
Das sei umso erstaunlicher, als 90% die Ansicht äußerten, sie hätten ihre IT voll im Griff. Doch wie aus Produkten Services werden und wie man den Kunden tiefer verstehen könne, sei ihnen häufig noch schleierhaft. Klar sei ihnen hingegen, dass diese Dinge wichtig sind. »Digital ist keine Option, es ist die neue Realität«, stellte Aron klar: »Das ist tief verbunden mit allem, was wir im Job und privat tun.«

Aron verhehlt allerdings nicht, dass der CIO neben seinen neuen Aufgaben auch noch die alten erledigen müsse. »Dazu brauchen wir dann eine IT-Führung mit zwei verschiedenen Tempi: eine schnell drehende für die Digitalization und eine gründlichere für die traditionellen IT-Themen.« Ein Lösung für alle gebe es allerdings nicht: »IT-Leadership ist niemals Geschmacksrichtung Vanille.« Jeder CIO müsse seinen eigenen, zum Unternehmen passenden Weg gehen.

Gartner: Die Top 10 IT-Trends
Schon im Oktober 2013 haben die Gartner-Analysten ihre Top 10 der Technologie-Trends für 2014 vorgestellt. Die so definierten Trends sind zwar nicht immer wirklich neu, sollen aber ihre volle Wirkung auf die Unternehmen entfalten.

1. Mobile Devices & Verwaltung. Mobile Endgeräte werden weiter diversifizieren. Die Anzahl der Mitarbeiter, die mobile Geräte einsetzen, wird sich verdoppeln oder sogar verdreifachen.

2. Mobile Apps & Softwareprogramme. Javascript wird sich so weit verbessern, dass Browser und HTML5 zu den beliebtesten Entwicklungsumgebungen werden. Apps werden weiter wachsen, klassische Softwareprogramme geraten weiter unter Druck.

3. Das Internet der Dinge (und mehr). Im »Internet of Everything« werden nicht nur Dinge vernetzt sein sondern auch Menschen, Informationen und Orte. Unternehmen sollten über Autos, Fernseher oder Sensoren hinaus denken, um alle Potenziale zu erschließen.

4. Hybride Cloud & IT Service Broker. Persönliche Cloud und externe private Clouds wachsen zusammen. Es entsteht der Bedarf nach Cloud Service Brokern (CSB), die die Aggregation, Integration und das Customizing von Cloud Services übernehmen.

5. Cloud/Client-Architektur. Der Client in einer Cloud/Client-Architektur ist eine Applikation auf einem vernetzten Device, der Server eine Kombination verschiedener Services, die auf einer zunehmend elastischen und skalierbaren Plattform laufen.

6. Die Ära der persönlichen Cloud. Den Endgeräten steht eine Zeit schwindender Wichtigkeit bevor. Die Cloud wird zentraler Hub sein, die von einer Vielzahl verschiedener Endgeräte genutzt wird.

7. Software-defined Anything (SDx). Software-defined Anything (SDx) ist ein Sammelbegriff, der den wachsenden Markt für verbesserte Standards für die Programmierbarkeit von Infrastrukturen und Interoperabilität beschreibt.

8. Web-Scale IT. Amazon, Google oder Facebook haben vorgemacht, Skalierbarkeit nicht nur auf die Größe anzuwenden sondern auch auf Agilität und Geschwindigkeit. Unternehmen müssen Architektur, Prozesse und Anwendungen entsprechend emulieren.

9. Smart Machines. Bis 2020 werden Smart Machines grundsätzliche Aufgaben übernehmen – kontextsensitive, persönliche Assistenten, intelligente Ratgeber oder autonome Fahrzeuge. Diese Ära wird die »disruptivste« Epoche in der Geschichte der IT, so Gartner.

10. 3D-Printing. Der Verkauf von 3D-Druckern wird 2014 um 75% steigen und sich in 2015 nochmals verdoppeln. 3D-Printing ist eine anwendbare, rentable und kosteneffektive Möglichkeit, besseres Design zu geringeren Kosten, rationelles Prototyping und schnelle Herstellprozesse zu realisieren.
www.gartner.com

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