Monitor & UHD

Geschärfte Visionen

eh10-4-UHD-webAuf der IFA vergangenen September in Berlin herrschte an den Messeständen der großen Hersteller von Flachbildfernsehern reges Gewusel. Der neue Standard Ultra-HD war allgegenwärtig. Gestochen scharfe Bilder sollen bei den Konsumenten die nächste Welle der Kauflust auslösen. Denn mit einer vier Mal so hohen Auflösung wie das herkömmliche Full-HD sind die einzelnen Pixel auf dem Bildschirm gar nicht mehr erkennbar.

Anders als bei Full-HD können Ultra-HD-Geräte jedes empfangene Signal interpolieren, sodass selbst ein herkömmliches PAL-Signal sichtbar besser dargestellt wird. Bisher fehlte es aber an Inhalten in Ultra-HD-Qualität. Erst seit April dieses Jahres steht ein Standard für die Echtzeit-Encodierung zur Verfügung, die eine Live-Produktion in Ultra-HD ermöglicht. Noch gibt es erst wenige Sendungen, die die Bilder in der hohen Auflösung zeigen. Der Satellitenbetreiber Astra brachte einen ersten Demokanal an den Start. Zu sehen sind dort vorerst Natur- und Landschaftsaufnahmen sowie Sportinhalte. Auch der Bezahlsender Sky betreibt einen entsprechenden Demokanal.

Content & Bandbreite. Bis es reguläres Fernsehen in Ultra-HD geben wird, können noch einige Jahre ins Land ziehen. Auf die Sendeanstalten kommen dafür hohe Investitionen zu. Neben der technischen Weiterentwicklung geht es jetzt darum, eine Wertschöpfungskette zu erschließen und vor allem entsprechende Inhalte zur Verfügung zu stellen. Vor allem Live-Übertragungen stellen eine große Herausforderung dar. Denn für die Ausstrahlung ohne zeitliche Verzögerung ist für die Encodierung des Ultra-HD-Signals eine bis zu zehn Mal höhere Ultra-HD kontinuierlich erforderlich.

Für das Streaming von Video in Ultra-HD-Qualität empfiehlt Samsung eine Internet-Geschwindigkeit von 16 Megabit pro Sekunde. Das ist aber der Mindestwert – angesichts der üblichen Schwankungen sollte die Leitung grundsätzlich schneller sein. Derzeit stehen diverse Anbieter in den Startlöchern, die Ultra-HD-Video über das Internet liefern wollen. Dazu gehören Maxdome, Snap, Amazon und Netflix, das vor Kurzem in Österreich gestartet ist.

Eine Hürde für viele Verbraucher waren bisher auch die vergleichsweise hohen Preise der Geräte. Ultra-HD-Fernseher sind jetzt zwar immer noch teurer, doch die Unterschiede zu üblichen HD-Geräten sind nicht mehr so groß wie früher. Hofer-Lieferant Medion kündigte auf der IFA einen Ultra-HD-Fernseher für 1.500 Euro an, bei Samsung fängt der Preis für das kleinste Modell bei 1.200 Euro an.

Nutzen am Desktop. Branchenauguren haben »4K« zu Jahresanfang auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas als einen der Trends im Jahr 2014 bezeichnet. Ursprünglich war die Technologie der Welt des digitalen Kinos vorbehalten. Doch nun sorgen die Gerätehersteller dafür, dass sich die hohe Auflösung auch bei Desktop-Monitoren, Large Format Displays und professionellen Installationsprojektoren etabliert: »Das Potenzial für UHD geht weit über den Consumer-Markt für Fernseher hinaus. Viele Desktop-Display-Anwendungen im Unternehmensbereich werden künftig von einer lebensechteren und zuverlässigeren Darstellung profitieren. Das gilt insbesondere dann, wenn Bilder die Grundlage für Entscheidungen sind«, so Christopher Parker, Manager Desktop Displays bei NEC Display Solutions Europe.

»Exklusive Technologien wie Eye-care oder Senseye«, Matthias Grumbir, Country Manager BenQ Austria.

»Exklusive Technologien wie Eye-care oder Senseye«, Matthias Grumbir, Country Manager BenQ Austria.

Von Samsung ist aktuell zu vernehmen, dass sowohl im TV- als auch im Monitor-Segment die Preise für UHD-Displays enorm sinken und die Produkte langfristig für den Massenmarkt interessant machen könnten. Gerade am PC dürften Inhalte mit entsprechender Auflösung schneller verfügbar sein als im TV-Bereich. Das könnte sich wiederum positiv auf die PC-Verkäufe auswirken, da der hochauflösende Content wiederum mehr Rechenpower benötigt.

Belebter Monitor-Markt. Eine Belebung des gesamten Monitor-Marktes ist offensichtlich. Matthias Grumbir, Country Manager von BenQ Austria, ist überzeugt: »Neue technische Eckdaten und teils verbesserte Preispunkte beleben derzeit den TFT-Markt. Auch ein wachsender PC-Markt trägt seinen Teil dazu bei. Darüber hinaus wachsen Nischensegmente wie CAD/CAM, Farbverbindlichkeit und Design sehr gut.«

»Zeit vor dem Monitor angenehmer gestalten«, Alexander Artner, General Manager Eizo Austria.

»Zeit vor dem Monitor angenehmer gestalten«, Alexander Artner, General Manager Eizo Austria.

Alexander Artner, General Manager von Eizo Austria, über die aktuellen Impulse: »Gerade umwelt-, augenfreundliche und energiesparende Produkte erfahren regen Zuspruch. Bei unseren Kunden stehen daher Monitore aus der EcoView-Linie hoch im Kurs. Daher liegt es auf der Hand, dass Eizo noch mehr Augenmerk auf Forschung und Entwicklung in diesen Bereichen legen wird.«

Günter Neubauer, CEO der Omega Handelsgesellschaft und Distributor mit der größten Bandbreite von Markenmonitoren, bleibt nüchtern: »Es werden zwar seitens der Hersteller verschiedenste Impulse gesetzt, wie zum Beispiel 21:9-Format, 4K-Monitore und speziell für Gamer optimierte Modelle, allerdings ist hier die Nachfrage noch recht überschaubar, vor allem auch wegen des noch hohen Einstiegspreises. Bemerkbar ist aber, dass begünstigt durch den Preisverfall bei 24-und 27-Zoll-Diagonalen vielfach ältere kleinere Modelle ersetzt werden. Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Consumer-TV-Geräten.«

»Darstellungsqualität, Farbtreue, Ausleuchtung und Energieeffizienz«, Günter Neubauer, CEO der Omega Handelsgesellschaft.

»Darstellungsqualität, Farbtreue, Ausleuchtung und Energieeffizienz«, Günter Neubauer, CEO der Omega Handelsgesellschaft.

Im Profi-Einsatz. Das Wachstum des Monitor-Marktes entsteht besonders im Business-Bereich. Zwar bleibt das Consumer-Geschäft laut den Aussagen verschiedener Hersteller relativ stabil, doch aufgrund der sinkenden Margen reichen die Absatzzahlen oft nicht aus, um den Gewinn zu sichern.
In Bezug auf die Produktansprüche haben sich der Consumer- und der Business-Bereich weit auseinander entwickelt. Monitore im Profi-Einsatz sollten die Produktivität erhöhen und gleichzeitig die Betriebskosten niedrig halten. Viele Hersteller setzen daher auf besonders energiesparende Modelle, die zusätzlich mit ihrer Umweltfreundlichkeit werben. Gerechnet auf oft hunderte Geräte können sich diese Features für Unternehmen auf der Stromrechnung letztendlich amortisieren.

Mindestens ebenso wichtig ist das Wohlbefinden des Mitarbeiters und damit seine Arbeitskraft. Zeitgemäße Monitore verfügen über individuelle Ergonomie-Einstellungen sowie diverse Technologien wie Blue Light-Reduktion oder flimmerfreie Displays, um die stundenlange Betrachtung des Bildschirms so angenehm wie möglich zu gestalten.

Differenzierungen. »Der Kunde differenziert, der Kunde entscheidet«, sagt Alexander Artner. »Viele legen Wert auf schickes Design, andere auf bedingungslose Qualität und wieder andere einfach auf das Billigste, das der Markt hergibt.« Eizo rühmt sich deshalb des breitesten Produktportfolios aller LCD-Hersteller: »Wir können mit unseren Produkten alle Display-und Auflösungsanforderungen abdecken.« Außerdem würden alle Eizo-Produkte durch eine herausragende Qualität sowie ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit und Ergonomie überzeugen – »durch die Verwendung von selektierten, hochwertigen Bauteilen und außergewöhnlich hohen Standards in der Fertigung, aber auch die enge Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern«, so Artner.

Matthias Grumbir untermauert seine Alleinstellung: »Als einer der größten Hersteller von TFT-Panelen bringt BenQ teils exklusive Technologien wie zum Beispiel Eye-care oder Senseye. Kurze Reaktionszeiten bei Projektanfragen und Kundenwünschen ebenso wie Kundennähe werden gut honoriert.«

»Nach wie vor liegen die Kriterien in der Darstellungsqualität, Farbtreue und Ausleuchtung des Displays und – immer wichtiger – in der Energieeffizienz«, blickt Günter Neubauer über sein breites Angebot: »Der USP von Omega liegt sicher in der breiten Produktpalette. Durch die Distribution der marktführenden Hersteller wie LG, Samsung, NEC, AOC, Philips und Sharp kann für jegliche Anforderung das richtige Produkt kurzfristig geliefert werden.«

Gebot der Stunde. Auf der Suche nach den gegenwärtig gefragtesten Features skizzieren die Monitor-Experten die Vielseitigkeit als Gebot der Stunde. »Der Kunde will mit seinem Display nicht nur normale Büroaufgaben bewältigen, sondern auch seine Urlaubsfotos bearbeiten, eine BluRay ansehen oder seine Spielkonsole anschließen«, weiß Eizo-Manager Artner.

Hier gelte es, möglichst ausgewogene Geräte im Portfolio zu haben, mit den richtigen Schnittstellen und der passenden Performance: »Eines unserer Ziele ist es, unseren Kunden die Zeit vor einem Monitor angenehmer zu gestalten, deshalb haben wir unsere EcoView-Features eingeführt und das für viele unangenehme LCD-Flickern auf ein Minimum reduziert, beides hilft einer schnellen Ermüdung der Augen vorzubauen.«
Günter Neubauer sieht »blickwinkelstabile Displays, USB-Hub und je nach Anwendungsbereich Design und Ergonomie« als Geschäftskriterien. BenQ-Chef Matthias Grumbir ergänzt: »Im Gaming-Bereich kommen neue Features, um die Schlieren beim Spielen weiter zu unterbinden. Der B2B-Markt, ein eher konservativer Bereich, wünscht weiterhin die Pivot-Funktion, Display-Port und benötigt natürlich Arbeitsplatz- und Ergonomie-Normen. Im Designbereich zeigt sich eine Tendenz zu Borderless-TFTs.«

Format statt Diagonale. Aber auch der Formfaktor der Monitore spielt eine immer wichtigere Rolle. Wo vor einigen Jahren noch die wachsende Bildschirmdiagonale das Maß aller Dinge war, scheint jetzt eine maximale Display-Größe erreicht. Stattdessen lösen Formate wie 21:9 das Multimonitoring ab und bieten durch Partitionierungsfunktionen auf einem Monitor den Komfort mehrerer Geräte – geeignet für Tonstudios, Videobearbeitung oder Excel-Tabellen.

Neben dem Format kann die gleiche Funktion wie im Falle von BenQ über die Diagonale abgedeckt werden. Der Hersteller hat ein Gerät für Profianwender mit einem 32-Zoll-Bildschirm auf den Markt gebracht, der über die Partitionierung die Aufgabe mehrerer Monitore erfüllen soll. Große Displaydiagonalen seien sicherlich noch für bestimmte Märkte wie Handelsräume oder Publishing interessant, aber diese würden letztendlich Nischen bleiben. Im Gesamtmarkt sei hingegen mit 32 Zoll am normalen Arbeitsplatz die sinnvolle Grenze erreicht. Mittlerweile stehen eher andere Features wie eben Ergonomie oder Total Cost of Ownership im Fokus.

Ultra-HD & PC-Monitor. Nun soll also in absehbarer Zeit Ultra-HD dem Markt zusätzliche Impulse verpassen – den PC-Monitoren noch vor der Unterhaltungselektronik. Denn im Gegensatz zu Fernsehern ist der obligatorische 4K-Content auf den Rechnern schon vorhanden, besonders in der Arbeitswelt. Und gerade bei Profi-Anwendern wie Designern, Grafikern oder im Videoschnitt besteht eine klare Nachfrage nach höherer Auflösung. Und wo es 2013 noch an entsprechenden UHD-Monitoren in den Angeboten der Hersteller mangelte, gibt es schon ein Jahr später eine relativ breite Auswahl, die auch in preislicher Hinsicht ihren Weg in den Massenmarkt finden wird.

Eizo startete bereits vor mehr als drei Jahren mit den ersten 4K-Monitoren und deckt seit September 2014 auch die Bedürfnisse des klassischen Desktop-Bereichs mit einem 31,5“-UHD-4K-Monitor ab. Alexander Artner: »Seit einigen Jahren erfreuen sich Displays jenseits der klassischen HD-Auflösung bereits reger Beliebtheit. Mehr Platz am Display bedeutet im übertragenen Sinne auch ein effizienteres Arbeiten. Dank einer höheren nativen Auflösung werden Zeichen und Grafiken außergewöhnlich klar und scharf dargestellt. Ob Büro, Leitstand, High-End-Gaming oder CAD/CAM, mit modernen Funktionen ausgestattet ist ein 4K-Display für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen geeignet.«

Comments are closed.