Mobile Computing 2012

Das Jahr der Ultrabooks

Eine Branchenmeldung der letzten Zeit hat niemanden wirklich überrascht: HP behält als größter PC-Hersteller der Welt sein Geschäft und schlägt damit die Pläne des Ex-Chefs Léo Apotheker in den Wind, der noch im Sommer von Verkauf oder Ausgliederung träumte. Neo-Konzernchefin Meg Whitman begründet den Rückzug vom Rückzug so: »Den Geschäftsbereich zu behalten ist richtig für Kunden und Partner, gut für die Aktionäre und gut für die Mitarbeiter.«

Viel Wind um nichts also. Die negativen Auswirkungen auf die Performance hielten sich in Grenzen: HP konnte seinen Marktanteil in Q3 (EMEA-Region) laut IDC sogar von 19,2 auf 20,7% vergrößern. Anders hingegen der EMEA-Zweite Acer: Gegenüber Q3-2010 fielen die Verkäufe um katastrophale 42%. Der Marktanteil schrumpfte im selben Zeitraum von 21% auf 12%. Neuer Dritter in der EMEA-Region ist Asus, die sich über ein solides Wachstum von 17,8% freuen dürfen. Der Marktanteil beträgt nun 10,2% (Q3-2010: 8,4%).

Auf der Überholspur. »In Österreich sind wir die absoluten Shooting Stars«, lacht Thomas Hartl, Country Manager Austria bei Asus. »Wir sind von Q3 2010 auf Q3 2011 um 66% gewachsen und damit laut IDC bei Notebooks und Netbooks ohne Tablets die Nummer zwei am heimischen Markt.«

Ein Grund für das gute Abschneiden von Asus sei die schwächelnde Performance des Mitbewerbs. »Der heimische Markt ist insgesamt um neun Prozent geschrumpft, bei Consumer betrug das Minus 14 Prozent. In diesem Umfeld konnten wir massiv zulegen, indem wir dem Mitbewerb Marktanteile weggenommen haben.« Was die Produktgruppen anbelangt, so muss Thomas Hartl eingestehen, dass am Netbook-Markt, für dessen Entstehung Asus maßgeblich beteiligt war, kaum Bewegung herrscht. »Wir werden auch in Zukunft die Netbook-Fahnen hochhalten. Der Markt stagniert zwar, aber er ist nach wie vor da.«

Im Gegensatz zu Marktbeobachter IDC, der einen wichtigen Grund für den schwachen Consumer-Markt in dem Trend sieht, dass man das ohnehin bescheidene Haushaltsbudget lieber für Produkte wie Tablets ausgibt, ist der Asus-Manager überzeugt, dass hier kein kausaler Zusammenhang besteht. »Man kann statistisch nachweisen, dass Tablets weder den Notebook- noch den Netbook-Markt abgraben. Es besteht keine Konkurrenz zwischen den aufklappbaren Endgeräten, mit denen man produktiv arbeiten kann, und den Tablets, die einen zusätzlichen Markt bilden. Bewegung gibt es innerhalb der Gruppe der Netbooks, Notebooks und jetzt der Ultrabooks – aber nicht über die Grenze hinweg.«

Für das nächste Jahr sind einige Generation-Updates geplant, etwa in Sachen Design und CPU. Außerdem soll die Produktfamilie erweitert werden. Beispiel ist ein 13″-Business-Gerät mit Docking-Station. Ein besonders interessanter Faktor für die kommenden Jahre sollen zudem die Ultrabooks werden. Hier ist Asus bereits mit den beiden Zenbook-Modellen UX31 (13,3″) und UX21 (11,6″) vertreten.

Die neue Klasse. Mit dem Ultrabook definierte Intel schon zu Jahresmitte 2011 auf der Computex eine neue mobile Geräteklasse. Dabei handelt es sich um einen Rechner, der die hohe Leistung und Schnelligkeit eines Notebooks mit den Funktionen eines Tablet-PCs vereint und ein sicheres Computing in einem dünnen, leichten und eleganten Design ermöglicht. Quasi ein MacBook Air für Apfel-Gegner.

Schon auf der Computex 2011 präsentierten Intels Vice President Sean Maloney (li.) und Asus-Chairman Jonney Shih das neue ultraflache UX21 Zenbook und untermauerten die gegenseitige Unterstützung.

Der Begriff Ultrabook bezeichnet demnach besonders kompakte Notebooks mit geringer Bauhöhe und Gewicht, die anstatt auf Festplatten auf SSD setzen. Solid State Disks sind vollkommen geräuschlos arbeitende Flash-Speicher mit kurzen Zugriffszeiten wie bei Tablets. Viele der bei Notebooks sonst üblichen Anschlüsse fehlen den Ultras. Ethernet, Firewire oder Bildschirm werden meist über Adapter mit einem Ultrabook verbunden. Auch optische Laufwerke besitzen sie nicht mehr, CDs oder DVDs können auf ihnen nicht abgespielt werden. Nur so ist es derzeit möglich, derart dünne Computer herzustellen.

Zur Eröffnung der Computex skandierte Intels Vice President Sean Maloney, dass die neue Gerätekategorie bis Ende 2012 rund 40% Marktanteil im Segment der Consumer-Notebooks einnehmen werde. Innovationen von Intels Prozessoren und darauf basierender System-on-Chip (SoC) Lösungen für Netbooks, Smartphones, Tablet-PCs und andere mobile Geräte sollten dazu beschleunigt werden. Diese technischen Innovationen würden das Personal Computing in den nächsten Jahren maßgeblich verändern, so Maloney.

Chip-Technologie. Zur Verwirklichung von Intels Vision des Ultrabooks stellte Maloney drei Schlüsselphasen der Intel-Strategie vor. Die erste Phase beginnt mit der aktuellen zweiten Generation der Intel Core Prozessoren, die leichte und 20 Millimeter dünne Geräte zu Preisen unter 1.000 US-Dollar ermöglicht. Systeme auf Basis dieser Chips sind bereits jetzt erhältlich, darunter das UX21 Zenbook von Asus. Während der Präsentation von Maloney zeigte Asus-Chairman Jonney Shih das neue ultraflache Notebook und unterstrich, dass Asus die Vision von Intel unterstützen werde.

Als nächsten Schritt auf dem Weg zum Ultrabook skizzierte Maloney die kommende Prozessor-Familie mit dem Codenamen »Ivy Bridge«. Die neuen Prozessoren basieren auf Intels 22 Nanometer (nm)-Fertigungstechnologie und sind die erste Chipgeneration, die das 3D-Transistor-Design namens Tri-Gate verwendet.

Notebooks auf Basis von »Ivy Bridge« sollen verbesserte Energieeffizienz liefern, intelligente Grafikleistung, hohe Sicherheit und schnelle Reaktionszeiten. »Ivy Bridge«-Systeme sollen in der ersten Jahreshälfte 2012 verfügbar sein. Die dritte Phase bilden dann Intel-Produkte mit dem Codenamen »Haswell«, die für das Jahr 2013 geplant sind. Diese sollen neue Funktionen auf ultradünnen Notebooks ermöglichen und deren Einsatzfeld erweitern. Mit Haswell will Intel die Thermal Design Power (TDP) und den Stromverbrauch von Mikroprozessoren im Vergleich zu heute um die Hälfte senken.

Strikt vorgegeben. Im Spätsommer zur 50. Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin brachte Samsung seine Series 9 auf den Markt. Acer, Asus, Lenovo und Toshiba präsentierten ihre aktuellen Modelle. Richtig losgehen soll es jetzt 2012. Für die Consumer Electronics Show (CES) Anfang Jänner in Las Vegas, die als Wegweiser für die Branche gilt, werden 30 bis 50 Ultrabooks verschiedener Marken erwartet.

Was alle Geräte verbindet, hat aber der Chipkrösus strikt vorgegeben: Wer sich nicht an die Vorgaben hält, darf den von Intel geschützten Namen Ultrabook nicht verwenden. So dürfen sie bei einer Bildschirmdiagonale von 13 Zoll nicht dicker sein als 18 Millimeter und maximal 1,4 Kilo wiegen. Die maximale Leistungsaufnahme darf 17 Watt nicht überschreiben, damit das Gerät einen kompletten Arbeitstag lang genutzt werden kann, ohne an die Steckdose gehen zu müssen. Alle Ultrabooks nutzen einen Sandy-Bridge-Prozessor – von Intel.

Den von Intel ebenfalls geforderten Preis von unter 1.000 Euro erreichen sie allerdings nur mit einer mageren Ausstattung, das Acer S3 etwa mit einer mechanischen Festplatte. Lenovos IdeaPad U300 und Toshibas Satellite Z830 sind mit einer besseren Ausstattung deutlich teurer als 1.000 Euro.

Intel investiert. Intel glaubt fest, dass Ultrabooks bereits 2012 einen Marktanteil von 40% bei neu gekauften Geräten haben werden. Dafür investiert der Chipgigant auch besonders viel Geld in das Marketing und unterstützt dabei seine Partner. Laut eigenen Angaben fördert Intel über einen mit 300 Mio. Dollar dotierten Investmentfunds Firmen, die Technologien für Ultrabooks entwickeln, und mit weiteren 100 Mio. Dollar für den App Up-Funds Software speziell für Ultrabooks auch in Verbindung mit anderen Plattformen entwickeln.

Dabei richtet Intel seine Marktmacht speziell gegen den Konkurrenten ARM. Die stromsparenden Chips des britischen Chipdesigners sind nicht nur in fast allen aktuellen Tablets und zahlreichen Smartphones verbaut, sondern auch in anderen Geräten wie mobilen Spielkonsolen. In diesem Bereich konnte Intel der Konkurrenz bisher wenig entgegensetzen.

Kommende Ultrabooks sollen laut Intel Touchscreens bekommen, Business-Geräte sowie Notebooks mit 14 und 15 Zoll Monitoren sind ebenfalls geplant. 2012 sollen Ultrabooks auf Basis des Ivy-Bridge-Chipsets kommen, die dann »ultra dünn, ultra sicher und ultra reaktionsschnell« sein sollen. Bis dann 2013 auf Basis der Haswell-Chips das Notebook »neu erfunden« wird. So sollen Notebooks in zwei Jahren den gleichen Stromverbrauch wie Smartphones haben und über zehn Tage auf Standby bleiben können. Intels offizielle Roadmap geht vorerst bis 2013.

Cloud Vision 2015. Der Weg danach führt zur »Cloud Vision 2015«, der zufolge die Zukunft des Cloud Computings durch drei zentrale Elemente geprägt ist: Zum einen ein kompatibles Cloud-System, das es Unternehmen ermöglicht, Daten sicher über öffentliche und private Clouds zu verteilen. Zum zweiten automatisierte Netzwerke, die durch die Übertragung von Anwendungen und Ressourcen zwischen Servern im Rechenzentrum eine bessere Auslastung und Energieeffizienz ermöglichen. Und schließlich eine Cloud, die den Benutzer sowie die individuellen Funktionen eines bestimmten Geräts (Notebook, Smartphone etc.) berücksichtigt und für ein optimiertes Online-Erlebnis sorgt.

Einige Branchenbeobachter sehen die Erfolgsaussichten der Ultrabooks allerdings noch kritisch. So bleibe abzuwarten, wie sich die Ultrabooks gegen die etablierte Konkurrenz des MacBook Air durchsetzen wird – vor allem, da der Preispunkt von rund 1.000 Euro die Geräte nicht zu Schnäppchen macht. Zudem könnte ein neues Betriebssystem fehlen, das den Absatz in Schwung bringt: Und Microsofts neues Windows 8 dürfte nicht vor Herbst 2012 verfügbar sein.

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