Interview

Bereit für 500-Millionen-Markt

Welche neuen Impulse gibt der gegenwärtige Digitalisierungs- und Transformationstrend der Kommunikationstechnologie?
Kurt Bodinger Bisher setzte die Telekom-Technologie durch ISDN auf ein eigenes Leitungsnetz auf. ISDN ist jedoch »End of Life« und wird durch IP-Telefonie abgelöst. Durch die IP-Telefonie wurden TK-Lösungen eine von vielen IP-Applikationen in Breitbandnetzen. In Österreich wandert dadurch ein Geschäftsfeld von 500 Millionen Euro jährlich in den Netzwerkbereich.

Sie sind ein Pionier und IP-Netzbetreiber der ersten Stunde und bieten heute IP-Telefonie in 54 Ländern an. Wie ereignisreich waren die letzten 17 Jahre?
Bodinger Der Beginn war geprägt von fehlender Bandbreite, Priorisierung in Netzwerken war weitgehend unbekannt, und regulatorisch waren wir in einem Niemandsland – also keine optimalen Voraussetzungen. Einige IT-Goldgräber haben leider mit schlechter Qualität den Ruf von VoIP oder SIP ebenfalls ramponiert. Heute profitieren wir von dieser langen Erfahrung und haben uns dadurch auch in diesem neuen, internationalen Markt gut positionieren können.

Wie schnell wird der endgültige Wandel zu IP vor sich gehen? Ist für Anwenderunternehmen nun der richtige bzw. eventuell auch der letztmögliche Zeitpunkt für einen Umstieg gekommen?
Bodinger In einigen Ländern wie Deutschland und der Schweiz wird derzeit großflächig umgestellt, da ISDN bereits abgeschaltet wird. Dort ist nur die Frage, wie gut vorbereitet Unternehmen an die Umstellung herangehen. Unternehmen, die ihre Kosten der eigenen ISDN-Infrastruktur samt ISDN-Grundgebühren hinterfragen, stellen rasch um. Ebenso kleinere Unternehmen, die auf virtuelle Telefonanlagen mit Mobilnetzintegration umstellen. Der letztmögliche Zeitpunkt wird dann sein, wenn auch in Österreich ISDN abgeschaltet wird.

Wieviel Marktpotenzial sehen Sie darin?
Bodinger Gegenwärtig werden im Businesssegment von den heimischen Unternehmen pro Jahr zirka 500 Millionen Euro für TK-Festnetz-Infrastruktur und -Dienste ausgegeben. Der Großteil davon fließt derzeit noch zu A1 oder Tele2. Mit der IP-Telefonie wandert dieser Umsatz jedoch in den IT-Fachhandel, da IP-Telefonie ein Bestandteil der gesamten IP (LAN) -Infrastruktur ist. Und dieser Markt wird in Österreich sehr erfolgreich vom regionalen Fachhandel abgedeckt.

Ist das nun auch das Ende von ISDN?
Bodinger Das technologische Ende von ISDN ist eine Tatsache, die sich daraus ergibt, dass ISDN seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt wird und sich fast alle Hersteller dieser Vermittlungstechnologie aus diesem Technologiesegment zurückgezogen haben. Da das Festnetz grundsätzlich laufend an Bedeutung verliert, ist es mittlerweile ein Nischenprodukt.

Warum hat sich diese Technologie bislang so hartnäckig gehalten?
Bodinger Weil die Breitbandinfrastruktur lange weder im WAN noch im LAN die erforderliche Qualität für IP-Telefonie aufwies. IP-Telefonie bedeutet Echtzeitkommunikation. Selbst große IT-Firmen scheuen auch heute noch wegen diesem Qualifikationsproblem den Einstieg in das IP-Telefon-Business.
Vielen Dank für das Gespräch.

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