Prof. Hans-Jürgen Regier

»Menschen sind keine Maschinen«

Herr Professor Regier, wie definieren Sie die Begrifflichkeit BPM?
Hans-Jürgen Regier Der Begriff BPM wird sehr unterschiedlich gehandhabt und hat oftmals eine zu starke technische Färbung. Dass ohne IT nichts mehr geht, ist so stark in den Köpfen verankert, dass sie als vermeintliche Wundermedizin für jede Herausforderung gehandelt wird. Doch die reine IT-basierte Ablaufsteuerung und -beschleunigung ist nur die halbe Miete. Wichtig ist ebenso, das Prozessdenken in den Köpfen der Betroffenen zu verankern. Denn nur wer in Prozessen denkt, kann sie auch sinnvoll umsetzen und leben. Dieses Wissen ist in vielen Unternehmen noch nicht wirklich angekommen.

Ist BPM nur ein weiterer Trend oder leitet es einen Paradigmenwechsel ein?
Regier Prozess- und Kundenorientierung haben in der Tat einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Insbesondere muss hierbei beachtet werden, dass die Effizienz und Effektivität der Prozesse nicht in erster Linie durch den Einsatz eines speziellen Werkzeugs erreicht werden, sondern wesentlich davon abhängen, wie die Prozessbeteiligten die Werkzeuge einsetzen. Kundenbedürfnisse sind nur begrenzt in IT-gestützte Prozesskorsetts zu packen. Sie zu erfüllen, erfordert die Kreativität geschulter und motivierter Mitarbeiter. Unternehmen, die die Rationalisierungseffekte als oberstes Ziel sehen und die Motivation der Mitarbeiter außer Acht lassen, gehen mit Prozessprojekten schnell baden. Denn unzufriedene Mitarbeiter ziehen schnell auch unzufriedene Kunden und Geschäftspartner nach sich.

Weshalb legen Sie an der Hochschule München einen expliziten Schwerpunkt auf das Thema BPM?
Regier Der Schwerpunkt als Studienrichtung umfasst mehr als nur BPM. Auch das Qualitäts- und Projektmanagement sowie Methoden der Unternehmensberatung gehören dazu. Denn betrachtet man BPM lediglich unter Rationalisierungseffekten und den technischen Möglichkeiten, steigt das Risiko massiv an, dass die Prozessprojekte scheitern. Es gilt, auch die Organisation selbst für Prozessdenken fit zu machen und die Mitarbeiter mit ins Boot zu holen. Denn Menschen sind keine Maschinen, die man einfach nach Belieben in einen Prozess einklinken kann.

Arbeiten Sie im Rahmen der BPM-Lehre auch mit konkreten IT-Werkzeugen?
Regier Um das Thema BPM so klar wie möglich zu vermitteln, konzentrieren wiruns auf die konkreten Teilaufgaben und nutzen hierfür verschiedene IT-Werkzeuge. Die Anwendungsgebiete sind: Training von vernetztem Denken, die Modellierung von Prozessen und Unternehmensstrukturen, die Simulation von Prozessen unter realistischen Bedingungen und schlussendlich die Umsetzung beziehungsweise Ausführung der tatsächlichen Arbeitsabläufe inklusive der Erarbeitung effizienter Datenstrukturen. Ein wichtiges Werkzeug ist dabei die BPM-Plattform Xpert.ivy von Soreco.

Wo liegen die konkreten Vorteile beim Einsatz einer BPM-Plattform?
Regier BPM-Projekte werden schnell komplex und unüberschaubar. Ist die Prozessorientierung erst in einem Unternehmen implementiert, wachsen die einzelnen Projekte oftmals rasant an, denn in fast jedem Geschäftsbereich gibt es Abläufe, die mithilfe von IT-Werkzeugen beschleunigt werden können. Zudem erfordern IT-gestützte Prozessabläufe durch organisatorische Veränderungen oder neue Kundenstrukturen eine kontinuierliche Anpassung, um nicht von der Konkurrenz überholt zu werden. Diese Dynamik ist mit einer leistungsstarken BPM-Plattform dann am besten zu stemmen, wenn sie von der Modellierung über die Simulation und Optimierung bis hin zur technischen Ausführung der Abläufe alle Aufgaben unterstützt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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