Accenture-Studie

Österreichs Unternehmen verschlafen die Digitalisierung

Digitalisierung_BranchenDer rot-weiß-rote Wachstumsmotor stottert. Österreichs Top 100 sind weit von den Umsatzzuwächsen entfernt, mit denen sie sich aus der Krise 2009 herauskatapultieren konnten. Seit dem Jahr 2010 waren die großen Unternehmen noch jeweils leicht zweistellig gewachsen; im Jahr 2013 jedoch sanken die Umsätze um sechs Prozent. Auch im Ländervergleich stehen Österreichs Top 100 auf dem dritten und letzten Platz: die Gewinnspanne Österreichs Top 100 fiel im Jahr 2013 auf 3,2 Prozent (2012: 3,5%), jene der deutschen Unternehmen auf 3,4 Prozent (2012: 3,9%); einzig die Schweizer Top 500-Unternehmen erhöhten ihre Profitabilität auf 7,9 Prozent (2012: 6,2%). Beim Umsatzwachstum haben Österreichs Top 100 von 2011 bis 2013 sogar 17,7 Prozentpunkte verloren, die Schweizer nur 8,7 und die Deutschen sogar nur 6,3 Prozentpunkte. Es mangelt an Wachstumsimpulsen. Ein Ausweg aus der Wachstumsschwäche ist die digitale Transformation. »Mit den neuen digitalen Technologien ist für österreichische Unternehmen gerade jetzt die Chance vorhanden, in ganz neue Felder vorzustoßen«, sagt Klaus Malle, Country Managing Director Accenture Österreich.

Digitale Strategien fehlen. Neue Technologien bringen die alten Spielregeln zu Fall, es entstehen ungeahnte Konkurrenzsituationen und die Grenzen zwischen den Branchen verwischen. Der Wettbewerb ist heute global und digital. »Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung den anderen«, so Klaus Malle. Ohne übergreifende digitale Strategie und Angebote gehen Marktanteile verloren. Was passiert, ist im Einzelhandel vorgemacht worden. Dort knöpfen E-Commerce-Spezialisten dem stationären Handel mehr und mehr Marktanteile ab. Vielen Branchen könnten ähnlich disruptive Entwicklungen bevorstehen.

»Mit den neuen digitalen Technologien gerade jetzt in neue Felder vorstoßen«, Klaus Malle, Country Managing Director Accenture Österreich.

»Mit den neuen digitalen Technologien gerade jetzt in neue Felder vorstoßen«, Klaus Malle, Country Managing Director Accenture Österreich.

Viele österreichische Top-Unternehmen haben die Zeichen der Zeit bereits verstanden, sind jedoch in der Umsetzung zögerlich. Für mehr als die Hälfte der Manager geht es bei den Digitalisierungsprojekten noch immer vorrangig um Kosteneinsparungen durch Effizienzverbesserungen. Nur 13 Prozent erwarten sich dadurch neue Produkte und Services.

Geringer Digitalisierungsgrad. Einige Branchen hat die Digitalisierung schon gravierend verändert, andere werden folgen. Die österreichischen Top-Unternehmen weisen aber noch immer einen sehr geringen Digitalisierungsgrad auf. In dem erstmals von Accenture für die Top 100 veröffentlichten Digitalisierungsindex wurden im Durchschnitt lediglich 1,81 von 4 möglichen Punkten erzielt. Der Digitalisierungsindex von Accenture drückt aus, wie weit ein Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung fortgeschritten ist.

Untersucht wurden die drei Erfolgsfaktoren der digitale Strategien, digitalen Angebote und digitalen Prozesse auf einer Skala von 4 (stark digitalisiert) bis 1 (minimal digitalisiert). Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass es beträchtliche Unterschiede in den Branchen gibt. So konnte die Kommunikations-, Elektronik- und Hightech-Industrie an der Spitze immerhin eine Bewertung von 2,34 Punkten erzielen, gefolgt von Logistik und Transport (2,12) sowie der Konsumgüterindustrie (1,98), während am unteren Ende die Pharma- und Healthcare-Branche nur mit 1,34 Punkten bewertet wurde.

Mut, anders zu denken. Das Management ist gefordert: Für neue digitale Geschäftsmodelle müssen bestehende Strukturen radikal verändert oder neue Kooperationen, beispielsweise mit Startups, oder branchenübergreifende Initiativen initiiert werden. Grundlagen müssen jetzt geschaffen werden, wenn der Anschluss nicht verpasst werden will. Und ein Andersdenken ist gefragt, denn die Botschaft ist klar: »Ohne digitale Strategie und digitale Geschäftsmodelle wird es kein Wachstum und keine neuen Marktanteile mehr geben«, so Klaus Malle abschließend.

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