Big Data & Business Intelligence

Agile Selbstbedienung

Analytics_accentureBig Data ist mehr als nur ein Buzzword. Die gewonnenen Informationen lassen sich von der Mitarbeitereinsatzplanung über eine Verbesserung der Absatzprognose bis zur Trendanalyse und einer Anpassung des Produktangebots nutzen. Big Data kann der Vertriebsunterstützung dienen. Es kann dem Buchhändler sagen, welche Bücher er am besten ins Regal stellen sollte. Je schneller ein Unternehmen das Verhalten seiner Kunden einschätzen kann, desto besser kann es auf Veränderungen reagieren und seine Produkte anpassen. Für die Gaming-Industrie etwa ist Big Data ein Paradefall, denn entsprechende Analysesysteme ermöglichen es, Signale der Spieler-Community frühzeitig zu erkennen und zu analysieren.

Doch die Herausforderungen für Big Data liegen im Detail. Viele Unternehmen schrecken vor den hohen Investitionen zurück, die solche Projekte nach sich ziehen.
Der Datenschutz und ein korrekter und transparenter Umgang mit den gesammelten Daten stehen ebenso zur Debatte wie die Qualität der erzielten Ergebnisse, denn nicht alle Datenarten eignen sich für eine Analyse. Auf breiter Basis durchgesetzt hat sich Big Data im Markt bislang noch nicht. Dafür dürften vor allem mehr praktische Beispiele nötig sein. Denn es ist nicht nur ein technisches Thema, sondern muss den Nutzern den konkreten Nutzen zeigen können.

Ende des Bauchgefühls. Mit seinem Buch »Das Ende des Zufalls: Wie Big Data uns und unser Leben vorhersagbar macht« hat der österreichische Medienmanager Rudolf Klausnitzer im Sommer 2013 den ersten deutschsprachigen Bestseller über die gesellschaftlichen Aspekte der Big Data-Revolution vorgelegt. Das zentrale Credo des flott geschriebenen Werks lautet: »Wer die Zukunft kennt, dem gehört sie.«

Für Klausnitzer ist Big Data in vielen Bereichen schon mitten in der Gesellschaft angekommen und wird sich unaufhaltsam weiter fortsetzen. Seit Jahren schon gebe es die Entwicklung, dass vieles, was uns im täglichen Leben umgibt, durch die IT zu kleinen Datenzentren werde, die immer stärker miteinander vernetzt sind.

Von der »Datenschleuder« Smartphone über das Auto bis hin zu unseren Wohnungen und den darin stehenden Geräten. Statt vom »Internet der Dinge« zu sprechen, geht der Autor deshalb umfassender vom »Internet aller Dinge« aus. Schließlich gibt es bereits seit 2005 weit mehr mit dem Internet verbundene Geräte als Menschen auf unserem Planeten.

Globale digitale Transformation. In vielen Bereichen werde damit »Das Ende des Bauchgefühls« eingeläutet, so Klausnitzer. Statt der Erfahrung von Experten sei dann nur noch die Echtzeitvoraussage aus der intelligenten Verknüpfung von Milliarden von Datensätzen wichtig. Google kann schon heute aufgrund aktueller Nutzerdaten weitaus präziser Grippewellen vorhersagen, als dies der WHO mit ihrer Jahrzehnte langen Erfahrung, tausenden Experten und ausufernden Datenbanken über den Verlauf solcher Ausbrüche in der Vergangenheit möglich ist.

Für Klausnitzer sind solche »Predictive Analytics« kein Ausspähen, sondern die Möglichkeit, die Diagnose schon vorab durch eine Prognose zu ersetzen und so schneller und präziser auf Ereignisse reagieren zu können. Zusammen mit Crowdsourcing und der »Gamification« als Motivation für die Datenherausgabe ist sie für ihn der wichtigste Booster für Big Data.

Zwischen Hype und Realität. Nicht selten diskutieren Hersteller, Marktforscher und Journalisten über Themen, die in der Praxis aktuell wenig Bedeutung haben. Die Hersteller präsentieren Visionen, um den Boden für neue Produkte und Umsätze zu bereiten. Analysten erstellen von Berufs wegen Prognosen und wollen die Zukunft mitgestalten. Die Medien wiederum lauern auf spannende und neuartige Dinge. Die daraus resultierende Differenz zwischen Hype und Realität hat das Beratungshaus Steria Mummert im Rahmen einer aktuellen Studie zu Business Intelligence (BI) exemplarisch aufgezeigt.

Die größten Herausforderungen sehen die 650 befragten Unternehmen aus 20 europäischen Ländern bei Datenqualität (38%), BI-Strategie (33%) und BI-Expertise (24%). Die für das medial dominierende BI-Thema Big Data konstitutiven Aspekte bewegen die Anwender hingegen kaum: Velocity (Echtzeitauswertungen) nannten 9%, Volume (stark anwachsende Datenmengen) 8% und Variety (komplexe Datentypen) gar nur 4%.

Die Experten von Steria Mummert haben Big Data mit Mobility, Collaboration und Data Discovery zu einer Gruppe von BI-Trends zusammengefasst, bei denen es sich in der nächsten Zeit zeigen werde, ob sie den Sprung vom Schlagwort zur Umsetzung schaffen.
Noch weniger aktuelle Bedeutung ergibt sich aus der Befragung für eine zweite Gruppe von BI-Trends: BI aus der Cloud, Open Source BI, Localization Intelligence sowie Social Network Analysis. Hohe Relevanz und Zielerreichung brachte die Studie hingegen bei den Trends Operational BI, Visual Analytics, BI Governance, Self-Service BI, Logical Data Warehouse und Analytical Databases zutage.

Szenarien prüfen. Doch alle diese neueren BI-Trends haben ihre Berechtigung, denn es gibt Produkte und Einsatzbeispiele. Die quelloffene Datenhaltungstechnologie Hadoop für Big Data etwa wird von Datenbank- und BI-Herstellern inzwischen breit unterstützt. Echtzeitfähige In-Memory-Datenbanken sind nach SAPs Vorpreschen mittlerweile auch bei den Datenbankriesen IBM, Oracle und Microsoft im Visier. Das Potenzial, das große Datenbestände auch jenseits der üblichen kaufmännischen Zahlen bieten, ist im Prinzip beträchtlich. Jedes Unternehmen muss freilich prüfen, welche Szenarien sich in der eigenen Situation anbieten und ob sich der Aufbau passender IT-Lösungen durchführen lässt und lohnt.

Die Anwender in den Unternehmen sind aber vor allem damit beschäftigt, mit bewährter IT geschäftliche Aufgaben zu unterstützen. Der Großteil der IT-Budgets fließt in die Pflege laufender Installationen, verhältnismäßig wenig Geld steht für neue Dinge zur Verfügung. Niemand fasst funktionierende IT-Systeme gern an, und im Vergleich zu den Amerikanern sind die Europäer beim Einsatz neuer Technologien vorsichtiger.
Andererseits brauchen die Hersteller jedoch risikobereite Anwender und Rückkoppelungen aus der Praxis. Neue Technologien brauchen Zeit, um für den breiten Einsatz reif zu werden. Oft funktionieren sie nicht auf Anhieb, und nicht immer stellt sich der verheißene Nutzen tatsächlich ein.

»Arbeitsprozesse in vielschichtigen IT-Projekten entkoppeln und operationale Effizienz steigern«, Stefan Ebner, CEO und Gründer von Braintribe.

»Arbeitsprozesse in vielschichtigen IT-Projekten entkoppeln und operationale Effizienz steigern«, Stefan Ebner, CEO und Gründer von Braintribe.

Am Thema BI lassen sich diese Zusammenhänge derzeit bestens beobachten. Die dispositive Datenverarbeitung hat sich neben der transaktionalen etabliert und hilft den Managern bei geschäftlichen Entscheidungen. Eigentlich ist BI ausgereift: Reporting, Olap und Mining gehören seit Jahrzehnten zum Kernbestand der Datenauswertung. Trotzdem schreitet die Entwicklung voran: Zusätzliche Technologien und Trends entstehen. Auch wenn es den Unternehmen bei BI gegenwärtig am wichtigsten ist, interne Prozesse zu verbessern, so die Steria-Experten.

Pionier in Rot-weiß-rot. Ein Unternehmen, das gegenwärtig die Enterprise-Information-Technologie revolutionieren will, ist die österreichische Braintribe. Ende Oktober 2013 präsentierte der globale Anbieter innovativer ECM-Technologien seine neueste Entwicklung »tribefire« auf dem Pioneers Festival in Wien. »In einer sich exponentiell schnell verändernden Welt, mit neuen, noch nie da gewesenen technologischen Möglichkeiten, war es unsere Herausforderung, neue Wege zu finden, wie Kunden die Chancen von Big Data, mobilen Lösungen und Cloud sinnvoll nutzen können«, erklärt Stefan Ebner, CEO und Gründer von Braintribe. »Mit tribefire können Unternehmen die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt abrufen.«

Auslöser sei ein aktueller Paradigmenwechsel: Die erfolgreichsten und innovativsten Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie schaffen es, zwei bisher konträre technologische Welten zu vereinen: zum einen die Welt der komplexen Geschäftssysteme und zum anderen die Welt der intuitiven, agilen Anwendungen. Der Weg für Erfolg in der Zukunft ist, diese Kluft zu überwinden und beide Welten in gemeinsamen Lösungen zu verbinden.

Während der Markt an diesem Wendepunkt angelangt ist, steht die B2B-Technologie-Landschaft vor einer noch größeren Wandlung. Analysten und Experten sind sich einig: Gartner spricht von einer neuen »Digital Industrial Economy«, IDC bezeichnet es als die »Dritte Plattform« für Innovation und Wachstum, und Forrester nennt es die »Informationsfabrik 3.0«. Ebenso wird prognostiziert, dass umwälzende Technologien nicht nur von Big Playern wie Microsoft und Apple entwickelt werden, sondern ein bedeutender Anteil (32%) auch von neuen »Spielern« und jungen, innovativen Unternehmen kommt.

Tribefire soll als neue Form von Programmierumgebung, mit der man schnell agile Applikationen bauen kann, die Komplexität reduzieren und das Geschäft in den Vordergrund stellen. »Bahnbrechende Technologien sind jene, die einfach sind. Komplexe Herausforderungen löst man nicht mit komplexen Systemen«, sagt Ebner. »Tribefire wurde entwickelt, um Abhängigkeiten und kostenintensive aufeinanderfolgende Arbeitsprozesse in vielschichtigen IT-Projekten voneinander zu entkoppeln und damit die operationale Effizienz zu steigern.«

Nach vier Jahren Entwicklung und einem Jahr des Testens bei ausgewählten Kunden profitieren bereits Unternehmen wie Credit Suisse, Samsung, Unicredit, Software AG und etliche weitere nach eigenen Angaben durch tribefire von »einer unglaublich kurzen Umsetzungszeit der komplexesten Herausforderungen«, »ROI noch vor Ende des ersten Jahres« und »70% Produktivitätssteigerung«.

BI vor dem Umbruch. Tatsächlich befindet sich das Geschäft mit Business Intelligence im Wandel. Wollen Unternehmen auch in Zukunft für den Wettbewerb gerüstet sein, müssen sie sich von alten BI-Denkmustern lösen und neuen Ansätzen öffnen. Einer der Gründe dafür ist Big Data, weitere sind aber auch veränderte Anforderungen seitens der Business-User.

»Agile BI ist Herausforderung im Zusammenwirken der Fachbereiche und der IT«, Franz Amesberger, Geschäftsführer von TCI Consult.

»Agile BI ist Herausforderung im Zusammenwirken der Fachbereiche und der IT«, Franz Amesberger, Geschäftsführer von TCI Consult.

Die Geschäftswelt von heute erfordert schnelle und dynamische Geschäftsprozesse. »Agile BI« wird in 2014 daher weiter an Bedeutung gewinnen, bestätigt Franz Amesberger, Geschäftsführer von TCI Consult und Vorsitzender von TDWI Österreich: »Erfolgreiche Unternehmen verwenden BI, um vorhersehbare und unvorhersehbare Anforderungen in Bezug auf Funktionalität oder den Inhalt einer BI-Lösung in einem vorgegeben Zeitrahmen in angemessener Qualität abzubilden. Agile BI umfasst demnach alle Maßnahmen, um dies zu gewährleisten – und stellt damit eine Herausforderung im Zusammenwirken verschiedener Fachbereiche und der IT dar.«

Neben einer performanten Lösung sind dafür moderne BI-Applikationen erforderlich. Starre, standardisierte Tools liefern nur bedingt Informationen in der gewünschten Geschwindigkeit. Nicht selten dauert eine Projektumsetzung Monate – ein in der schnelllebigen Geschäftswelt von heute schier indiskutabler Vorgang.

Agile BI-Lösungen indes bringen die nötigen Voraussetzungen mit, um schnelle Reaktionen auf Marktveränderungen zu ermöglichen. Wo große Modehändler bislang ihr Geschäft üblicherweise auf zwei Saisonen pro Jahr ausrichteten, macht der »Fast Fashion«-Händler H&M neue Trends heute binnen weniger Wochen im Laden verfügbar. Mit dieser Schnelligkeit und Beweglichkeit müssen auch BI-Werkzeuge und die BI-Organisation mithalten.

Als weiterer prägender Trend kommt hinzu: Die Rolle der IT in Unternehmen wird sich weiter verändern. Sie entwickelt sich zum Enabler für Innovationen im Unternehmen. Im Bereich Business Intelligence heißt dabei ein Zauberwort »Self-Service«. So ist es nicht länger nur die Aufgabe der IT, Reports zu generieren. Vielmehr muss sie es Mitarbeitern ermöglichen, ihre Daten selbst zu analysieren.

»Anwenderunternehmen sind vielfach auf externe Unterstützung angewiesen«, Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk.

»Anwenderunternehmen sind vielfach auf externe Unterstützung angewiesen«, Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk.

Die strategische Aufgabe der IT-Abteilung liegt darin, die Infrastruktur und Voraussetzungen dafür zu schaffen. Der Fokus liegt damit wieder verstärkt auf den ursprünglichen Kernaufgaben der Abteilung: Datenvorbereitung, Daten- und Anwendungs-Governance sowie Bereitstellung und Überwachung der Infrastruktur.
Die Konsequenz: BI-Lösungen, die nach vordefinierten Filtern arbeiten, entsprechen nicht den Erwartungen der neuen Generation. Sie möchte Daten schließlich nach ihren individuellen Bedürfnissen auswerten, ohne dabei die IT bei jedem Schritt und Tritt miteinbeziehen zu müssen.

Markt im Wandel. Künftig wird nicht nur die Anzahl der Projekte mit IT-Hintergrund dramatisch zunehmen. Die Adaption neuer Technologien wie Big Data, Business Analytics und Cloud wird auch zu einem starken Anstieg in der Nachfrage nach externen IT-Beratungs- und Service-Ressourcen führen, sind sich die Analysten sicher. Parallel dazu werden auch die Budgets für IT-Projekte in Anwenderunternehmen steigen – für das laufende Jahr werden laut der aktuellen Lünendonk-Studie »Der Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland« 0,9% prognostiziert, für 2014 liegt die Prognose bei 1,7%.

»In den Anwenderunternehmen mangelt es häufig an ausreichend qualifiziertem Fachpersonal und personellen Kapazitäten zur Umsetzung der Vielzahl parallel laufender Projekte. Sie sind somit vielfach auf externe Unterstützung angewiesen «, konstatiert Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk. Die wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines externen Dienstleisters sind dabei Umsetzungskompetenz, gefolgt Technologie-Knowhow und Branchenkompetenz.
Dietmar Boigner & Martin Mühlhauser

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