Disruptive Digitalisierung

Wirtschaft und Recht im Wandel

ecenter_podiumDie Veranstaltung begann mit Grußworten von Justizminister Dr. Wolfgang Brandstetter, Außenminister Sebastian Kurz und von Dr. Thomas Zwiefelhofer, Justizminister von Liechtenstein. Hervorgehoben wurden dabei die Verdienste des e-center und dass es sich in den 15 Jahren seines Bestehens mit nunmehr 23 Partnerunternehmen, Repräsentanzen in Berlin, Brüssel, Hongkong, London und New York sowie mit fast 100 Beiräten von Wien aus zum weltgrößten Netzwerk für IT-Recht entwickelt habe.

Sektionschef Hon.-Prof. Dr. Georg Kathrein vom Justizministerium hob bei der Eröffnung die erfolgreiche Zusammenarbeit des Ministeriums mit dem e-center sowie die guten Kontakte mit dessen Leiter, Prof. Zankl, hervor. Dr. Bernhard Huppmann, Geschäftsführer und Partner von Deloitte Österreich, schlug in dieselbe Kerbe und präsentierte in Bezug auf das Generalthema des Abends erstaunliche Zahlen: In den letzten 2 Jahren sind mehr Daten entstanden als in der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte; in den nächsten 7 Jahren werden 1 Milliarde Digital Natives auf den Arbeitsmarkt strömen und in den nächsten 10 Jahren werden 40% der Fortune 500 Companies nicht mehr existieren. Dr. Wolfgang Zankl, Professor am Institut für Zivilrecht der Universität Wien und Gründer/Leiter des e-center, meinte, dass solche Herausforderungen von keinem Unternehmen allein, sondern nur in Netzwerken mit qualifiziertem Erfahrungsaustausch bewältigt werden können.

Ein solches Netzwerk für die rechtlichen Anforderungen der Digitalisierung bietet das e-center seinen Partnerunternehmen. Der Grundstein dafür wurde am 11. September 2001 gelegt, als die Gründungspartner des e-center – Deloitte, Wolf Theiss und T-Mobile – sich um 15 Uhr MEZ, da war es 9 Uhr in New York, zur konstituierenden Sitzung eingefunden haben. Zwei Stunden später war das e-center gegründet und die Welt durch die Ereignisse, die wir heute als 9/11 bezeichnen, eine andere geworden. Diese zufällige Koinzidenz mit den grauen- und schicksalhaften Ereignissen des 11. September habe für das e-center nicht nur starke Symbolik, sondern auch fachlich zahlreiche Implikationen, da das IT-Recht seitdem stark von Reaktionen auf Terroranschläge geprägt war.

ecenter-webProf. Zankl berichtete weiters, dass das e-center mit seinen insgesamt 23 Partnern nicht nur über Kooperationen in Europa, sondern auch in den USA, in Russland und in China verfügen. Mit diesem weltweiten Aktionsradius des e-center, der es zu Aktivitäten auf allen Kontinenten geführt habe, sei ein globaler Informations- und Erfahrungsaustausch entstanden, der unabdingbar sei, um mit disruptiven Entwicklungen umgehen zu können.

Mag. Ingo Hofmann, Vorstand der D.A.S. Rechtschutzversicherung, präsentierte die Ergebnisse einer Studie der D.A.S., die sich mit dem Beschwerdeverhalten von Konsumenten im IT-Bereich beschäftigte. Dabei stellte sich ua heraus, dass die meisten Beschwerden sich daraus ergeben, dass Unternehmen auf Anliegen nicht oder nicht hinreichend reagieren. Eine Untersuchung des e-center habe ergeben, dass die herkömmliche Rechtslage (Hard Law) dafür keine ausreichende Grundlage biete, so dass sich die Entwicklung von Selfbinding Corporate Rules empfehle (Soft Law).

Mag. Stefan Ritter, Präsident der liechtensteinischen Rechtsanwaltskammer, knüpfte in seiner Präsentation an diese Problematik an und meinte ebenfalls, dass – wie das e-center schon seit einigen Jahren betone – die traditionelle Gesetzgebung den Erfordernissen der schnelllebigen IT hinterher hinke. Nicht zuletzt deshalb sei in Form des »Data Trust Center« ein Joint Venture zwischen dem e-center, der liechtensteinischen Kyberna AG und dem vom ihm geleiteten ky-center for social media law gegründet worden, das auf Basis der Forschungen von Prof. Zankl im Bereich des Datenschutzes die Anwendung der »International Data Privacy Principles« des Data Trust Center empfehle und die Compliance mit diesen auch zertifiziere, woraus sich Haftungs- und Wettbewerbsvorteile ergäben.

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Wirkungen und Herausforderungen der Digitalisierung für verschiedene Branchen: Mag. Anja Tretbar-Bustorf, Leiterin der Rechtsabteilung von T-Mobile, hob hervor, dass ihr Unternehmen schon jetzt an der Infrastruktur für die explodierenden Datenmengen arbeite, von denen einleitend die Rede war. Dr. Georg Kresbach, Rechtsanwalt und Partner von Wolf Theiss Rechtsanwälte, wies auf die immer kürzer werdende Halbwertszeit aktueller Entwicklungen der Digitalisierung hin. Alles gehe immer schneller und die Zeit, sich damit zu beschäftigen, werde immer kürzer. DI Bernhard Göbl, Direktor bei Deloitte Österreich, betonte das Erfordernis, den radikalen Umbrüchen der Digitalisierung gleichermaßen auf strategischer, organisatorischer und technologischer Ebene zu begegnen. Mag. Thomas Schaufler, Vorstand der Erste Bank, meinte, dass Banken im Hinblick auf die Anforderungen der Digitalisierung allmählich zu IT-Unternehmen werden.

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