Wolf Theiss

IT mit Langzeitwirkung

Die wirtschaftliche Implikationen des Jahres 2009 beeinflussten auch die strategische und operative Ausrichtung von IT-Abteilungen nachhaltig. Verantwortungsvoller Mitteleinsatz und vorsichtige Budgetierung sind Grundprämissen einer »post crisis«-Strategie.

So auch bei Wolf Theiss. Die in 12 Ländern tätige Anwaltssozietät findet in der IT eine unverzichtbare Stütze: »Die IT hat dazu beizutragen, die Effizienz und die Produktivität zu steigern, und hält uns im Kerngeschäft den Rücken frei«, sagt Horst Ebhardt, Managing Partner bei Wolf Theiss. »Auf der anderen Seite müssen wir große Projekte, die wir uns vornehmen, auch finanzieren und in einem langfristigen Kontext sehen«, ergänzt Enrique Vich, Head of IT bei Wolf Theiss. Die Rechtsanwaltssozietät ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat sich von einer ausschließlich in Österreich operierenden Kanzlei zu einem länderübergreifenden Unternehmen entwickelt, das im zentral- und osteuropäischen Raum bis in die Ukraine tätig ist. Daher war eines der Hauptkriterien – neben der Bewältigung des starken Wachstums im Personalbereich – auch die Implementierung von einheitlichen Standards in allen Büros der Kanzlei. »Ein User soll nicht merken, ob er sich in Kiew oder Tirana einloggt oder in unserer Zentrale in Wien«, führt Vich aus.

2010 steht Wolf Theiss daher vor der Fertigstellung eines großen Infrastrukturprojektes. »Tago«, so dessen Name, startete 2007 und setzte vor allem Maßnahmen, »die uns schlanker machen, zu einer Konsolidierung führen und für unser Risiko-Rating wichtige Sicherheitsaspekte einhalten«, erläutert Vich.

Das ist im Serverbereich mit einer umfassenden Virtualisierung quasi abgeschlossen, jetzt werden noch die lokalen Infrastrukturen nach Wien gebracht, mit dem Ziel, den Bereich zu zentralisieren und konsolidieren.« Damit gekoppelt ist die angestrebte Desktop-Virtualisierung. Sie soll einen ähnlichen Prozess in Gang setzen und die gesamte Landschaft im Anwenderbereich effizienter machen.

All das soll Kosteneinsparungen bringen, die zwar noch nicht 2010 ergebniswirksam werden, aber »eine gute Ausgangsposition für die Folgejahre bieten«, so Vich.

Die Grundlage der Prozesse. Das Projekt Tago ist für Wolf Theiss von großer Bedeutung. Um es entsprechend zu analysieren, zu dokumentieren und dann operationell steuerbar zu machen, wurde ein strukturiertes Analyseverfahren, das sich an ISO 27001 und Cobit orientierte, angewandt. »Eine moderne Infrastruktur ist die Grundlage für viele Prozesse«, so Vich. »Die Infrastruktur sorgt für nachhaltige Effizienz und Agilität in der Unternehmensentwicklung. Wenn man sich überlegt, wie viele Geschäftsprozesse darauf aufbauen, und wenn man davon ausgeht, dass wir diese Infrastruktur zirka fünf Jahre behalten möchten, dann nimmt das Projekt eine wirklich zentrale Rolle ein.«

Nach abgeschlossener Konsolidierung und Zentralisierung der Server-Infrastruktur soll das Projekt »Lego« folgen, die bereits erwähnte Desktop-Virtualisierung. »Dahinter steckt noch mehr Agilität, Effizienz, leichtere Administrierbarkeit und die Tatsache, dass alle Kostenparameter durch die Desktop-Virtualisierung gesenkt werden können«, führt Vich aus. »Das wird der Anwender zwar nicht registrieren, ist aber für die IT-Sicherheit von hoher Wichtigkeit.«

Kollaboration im Fokus. Ein weiterer zentraler Block des Jahres 2010 betrifft das Thema Kollaboration. »Wir sind Dienstleister und auf Grund des Wachstums der letzten zehn Jahre in einer Situation, in der die Zusammenarbeit der fachlichen und regionalen Anwaltsteams entscheidend ist«, so Horst Ebhardt. »Uns ist es wichtig, die Kommunikation zu verbessern. Daher wollen wir weg von einer auf E-Mail und Telefon beschränkten Kommunikation. Wir benötigen ein ganzes Portfolio von Kanälen, die den Juristen und somit den Dienstleistern zur Verfügung stehen.«

Dazu nimmt Wolf Theiss ein Unified Communications-Projekt in Angriff. Künftig sollen mehrere Juristen die Möglichkeit haben, ein Dokument live zu bearbeiten, egal ob der eine in Sofia sitzt und der andere in Wien. Konferenzen sollen flexibel gestaltbar sein. »Wir brauchen eine interaktive Kommunikation, die beiträgt, Themen rascher und präziser zu bearbeiten, die Mittel effizient einzusetzen, indem man innerhalb des globalen Netzwerks über IP kommunizieren kann«, erklärt Ebhardt.

»Die IT muss genau verstehen, was das Kerngeschäft für Anforderungen mit sich bringt.«

»Die IT muss genau verstehen, was das Kerngeschäft für Anforderungen mit sich bringt.«

»Die IT ist in der gesamten Prozesslandschaft zentral positioniert und muss genau verstehen, was das Kerngeschäft für Anforderungen mit sich bringt, um darauf zu reagieren bzw. Trends auch antizipieren zu können«, ergänzt Vich. »Wir arbeiten projektorientiert und sind hochgradig abhängig von unserem Dokumentenmanagement.

Schrittweise Konzentration. Auch Outsourcing ist kein Tabuthema in den Überlegungen von Enrique Vich. Die IT stützt das Anwaltsgeschäft bestmöglich. Es geht hier um die Kernkompetenzen, die sinnvoller Weise innerhalb des Unternehmens betreut und gemanagt werden. Um den Anforderungen der Hochverfügbarkeit gerecht zu werden, verfügt Wolf Theiss über zwei Rechenzentren, wovon eines bereits outgesourct ist. Das Thema Infrastruktur wird derzeit evaluiert. »Wenn unsere Serverstruktur einmal wirklich einheitlich für alle Standorte zentral aufgestellt ist und die Technologien klar definiert sind, dann steckt auch hier Potenzial dahinter«, sagt Vich.

Anregungen aus dem SAP-Projekt. Mitte 2010 soll schließlich auch die Phase 1 des Anfang 2008 gestarteten SAP-Projekts für Finance, Controlling und HR abgeschlossen werden. Dabei läuft schon jetzt die Diskussion, inwiefern es Sinn machen würde, weitere Prozesse im SAP abzubilden.

CRM zum Beispiel: »Eine spannende Debatte«, so Vich. »CRM ist nicht nur eine Software und nicht alleine eine Strategie, sondern eine Mischung von verschiedensten Elementen. Hier könnten wir viele Synergien erreichen. Das ist einer von vielen Aspekten, den das SAP-Projekt mit sich bringt.«

Insgesamt heißt das für die IT, Business-Prozesse weiterhin so zu modellieren, dass man zeitgemäß, effizient und produktiv damit umgehen kann. Sicher stellen, dass die Zeitspannen innerhalb der Prozesse – insbesondere wenn es um unerwartete Ereignisse geht – möglichst gering bleiben.

Sicherheit unter Dach und Fach. Was die Sicherheit betrifft, so herrscht das »One-Office-Modell«, das den gesamten Datenverkehr und die Arbeitsplatz-Architektur der zwölf Standorte vereinheitlicht. Sämtliche Bytes wandern über Wien und werden hier über ein Private Network verteilt. Das Firewalling ist ein wesentlicher Bestandteil des Tago-Projektes. Ein externer Partner sorgt zudem in der Cloud dafür, dass alle Daten, die zu Wolf Theiss kommen, gesichert und »clean« sind. »Intern verteilen wir sie dann über das WAN zu unseren Büros. Somit ist dieses Gefahrenpotenzial unter Kontrolle«, verkündet der IT-Chef stolz: »Auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, so würde ich behaupten: Das haben wir unter Dach und Fach.«

1 Response to "IT mit Langzeitwirkung"

  1. Michael Dernbach

    Bravo, ich freue mich für Sie, Herr Vich. Sie sind zweifellos einer der besten IT-Manager dieses Landes! LG Michael Dernbach

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