Mobiles Internet

Die Zukunft der Datennetze

Trotz der weltweiten Wirtschaftskrise macht sich die Mobilfunk-Branche an den Aufbau noch schnellerer Datennetze. Der größte US-Mobilfunkanbieter Verizon Wireless kündigte auf dem Mobile World Congress in Barcelona Mitte Februar an, dass erste Kunden bereits im Jahr 2010 ein Netz des UMTS-Nachfolgestandards »Long Term Evolution« (LTE) nutzen können. Einige Jahre später solle LTE flächendeckend in den USA verfügbar sein. Die neue Technik ist vor allem für Internet-Dienste gedacht. Sie soll Download-Geschwindigkeiten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde in mobilen Breitbandnetzen ermöglichen.

Fast zehn Jahre nach dem Startschuss für UMTS sei es an der Zeit für eine neue Technologie, sagte Ericsson-Vertriebschefs Torbjörn Possne gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. »Meiner Meinung nach wird ein LTE-Netz zunächst in den USA oder Westeuropa aufgebaut, wo sich die Mobilfunkbetreiber den Aufbau leisten können.« Über einen zeitlichen Rahmen oder Kosten für den Ausbau wollte Possne nichts sagen. Doch der weltgrößte Netzwerkausrüster hatte bereits vor der Mobilfunk-Messe den Aufbau eines Netzes in Schweden angekündigt. Die Stockholmer sollen Mitte 2010 in den Genuss der schnellen Breitbandverbindungen kommen.

Reines Datennetz. Zumindest auf technischer Seite sieht der Ericsson-Manager keine großen Hindernisse – LTE sei sowohl zu GSM als auch zu WCDMA (3G, UMTS) abwärtskompatibel. Das heißt, Teile der vorhandenen Netze und vor allem die Standorte könnten weiterverwendet werden. Zugleich plädierte Possne dafür, die neue Technologie allein Datendiensten vorzubehalten: »Anders als 3G ist LTE ein reines Datennetz.« Die Mobilfunkbetreiber könnten für die Gesprächsvermittlung entweder die vorhandenen Netze weiterverwenden oder Voice-over- IP im LTE-Netz anbieten.

Frequenzen gefragt. »Wir werden uns über die Kostenstrukturen sicher Gedanken machen müssen«, sagte T-Mobile-Chef Hamid Akhavan. Denn die Umsätze, die die Unternehmen mit der Übermittlung der Daten machen, wachsen nicht in gleichem Maße wie die Nachfrage nach mobilem Internet. »Dieser Effekt ist völlig natürlich und auch im Festnetz haben wir dieselbe Entwicklung gehabt «, sagte Akhavan. »Das mobile Internet wird aber der Motor für Wachstum bleiben.« Allein im vergangenen Jahr hatte der Datenverkehr bei T-Mobile sich verdreifacht. Die Umsätze stiegen um 45%. Auch für 2009 rechnet T-Mobile mit ähnlichen Wachstumsraten beim mobilen Datenverkehr.

Sparen könnten die Unternehmen in erster Linie bei der Netzwerkarchitektur. »Hier werden wir vom technologischen Fortschritt profitieren«, sagte Akhavan. Um die Mobilfunknetze mit Standards der nächsten Generation wie LTE aufzurüsten, seien allerdings zusätzliche Frequenzspektren notwendig. »Wir brauchen bestimmte Spektren, die für den Flächenausbau auch bezahlbar sind«, betonte Akhavan und erneuerte die Forderung der Mobilfunkindustrie nach der sogenannten Digitalen Dividende.

Die Netzbetreiber wollen durch die Digitalisierung von Rundfunk freigewordene Frequenzen für mobile Breitbanddienste nutzen. Solange nicht über diese Frequenzen entschieden sei, könnten Entscheidungen über die Einführung von LTE nicht getroffen werden. »Bis Ende 2010 wird es im Mobilfunkmarkt aber eine LTE-Lösung geben«, ist sich Akhavan sicher. Bereits in diesem Jahr soll in Deutschland der Testbetrieb des UMTSBeschleunigers HSPA + aufgenommen werden, der Downloadraten von bis zu 28 Megabit pro Sekunde erlaubt.

Österreich voran. In Österreich geht die Post im Netz von mobilkom austria hingegen schon ab. Zum Start am 20. März erreichte HSPA+ mit dem Codierungsverfahren 64 QAM hierzulande Download-Spitzengeschwindigkeiten von 21 Mbps. »Wir werden auch MIMO anbieten, das aktuelle Datenraten noch verdoppeln kann«, so Ulrich Rokita, mobilkom austria Bereichsleiter Netzplanung. Bereits 2009 sollen mit der MIMOTechnologie, die auf zwei Sende- und zwei Empfangsantennen setzt, 28,8 Mbps realisiert werden. Die Verbindung von MIMO und 64 QAM stellt längerfristig sogar 42 Mbps in Aussicht. Zwar werden solche Spitzen in der Praxis nur fallweise erreicht werden. »Für Kunden wird im Vordergrund stehen, dass mehrere Kunden gleichzeitig hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erreichen können«, betont Rokita.

Gebremstes Wachstum. Doch das mobile Internet im Turbogang ist noch nicht überall beim Kunden angekommen: Erst 100 Mio. der Mobilfunk-Anschlüsse sind Breitband- Verbindungen, die schnelles surfen im Internet ermöglichen. Das Wachstum wird vor allem von neuen Märkten wie Indien, China oder Afrika getragen. So kommen in Indien jeden Monat 10 Mio. neue Mobilfunk- Kunden hinzu. China hat mehr als 600 Mio. Mobilfunk-Nutzer – bei unter 400 Mio. Festnetz- Anschlüssen.

Das Wachstum der Handy-Verkäufe ist 2008 stark von der Wirtschaftskrise gebremst worden. Die Marktforscher von IDC ermittelten ein Wachstum von 3,5% auf gut 1,18 Mrd. verkaufte Mobiltelefone. Nokia schätzte für den Gesamtmarkt ein Plus von 6% auf 1,21 Mrd. Geräten. Auf jeden Fall blieb der Zuwachs weit unter der Prognose von 10% und den 12% des Jahres 2007. Während es früher für die Handyhersteller nur den Weg nach oben gab auf der Umsatzkurve, wird für dieses Jahr wegen der weltweiten Wirtschaftskrise mit einem Absatzrückgang gerechnet, wenn auch nur im einstelligen Prozentbereich. Einige Analysten sprechen konkreter von einem Minus von 4 bis 6%. Das könnte bedeuten, dass etwa 70 Mio. Handys aller Anbieter weniger verkauft werden.

Nokia hat dem noch nicht widersprochen. Der Marktanteil des finnischen Weltmarktführers sank allerdings Ende 2008 auf 37% von 40% ein Jahr zuvor. Besonders im vierten Quartal schlug die Krise auf die Handy- Hersteller durch: Der Absatz fiel im Jahresvergleich nach IDC-Zahlen um 12,6%.

Hoffnungsträger Smartphones. Hoffnungsträger der Branche für die Zukunft sind die sogenannten Smartphones – eine Mischung aus Handy und Mini-Computer. Ihr Absatz stieg im vergangenen Jahr nach Nokia-Schätzungen um 37,6% auf 161 Mio. Das war allerdings deutlich langsamer als die Wachstumsrate von 60% aus dem Jahr 2007. Für dieses Jahr wird ein Anstieg auf 190 bis 200 Mio. verkaufte Smartphones erwartet. Nokia dominierte lange auch den Smartphone- Markt, doch durch neue Wettbewerber wie vor allem Apple mit seinem iPhone und den E-Mail-Dienst Blackberry sank der Marktanteil Ende 2008 auf 38% von mehr als 50% vor einem Jahr. Mit der Verbreitung von Handys mit dem von Google angestoßenen Betriebssystem Android dürfte der Druck noch steigen.

Unzufriedene Nutzer. Derweil gibt es immer neue Handys und Smartphones, die eine einfache Internet-Nutzung unterwegs bieten sollen. Doch trotz aller Innovationen sind die Geräte nach Einschätzung des Intel-Managers Anand Chandrasekher noch weit davon entfernt, ein nahtloses Internet-Erlebnis zu bieten. Es gebe noch immer zahlreiche Web-Seiten wie etwa das Video-Angebot des Nachrichtensenders CNN, die selbst auf modernen Smartphones nicht dargestellt werden können, sagte der Chef von Intels Ultra Mobility Group in Barcelona. »Der Nutzer will sich aber keine Gedanken darüber machen, was möglicherweise geht oder nicht, sondern er möchte, dass es funktioniert.«

Nach jüngsten Studien des Marktforschungsunternehmens Forrester sind rund 88% immer noch unzufrieden mit den Erfahrungen bei der Internet-Nutzung unterwegs, so der Mobil-Experte. Obendrein wird die Computer- und Telekommunikations-Industrie die derzeitige Wirtschaftskrise nach Einschätzung von Chandrasekher noch deutlich zu spüren bekommen.

Weltweit gab es zuletzt rund 4 Mrd. Mobilfunk- Anschlüsse. Damit hat sich das Wachstum nochmal beschleunigt: Im Jahr 2007 hatte es ein Plus von etwa 20% auf 3,2 Mio. gegeben. Der Zuwachs geht nicht nur auf neue Handy-Nutzer zurück, sondern auch darauf, dass in immer mehr Geräte wie Notebooks gleich Mobilfunk-Chips eingebaut werden. Für dieses Jahr rechnen Branchenexperten mit einem Anstieg auf 4,5 Mrd. Mobilfunk- Anschlüsse und mit 6 Mrd. bis 2013. Im Jahr 2005 hatte es erst 2 Mrd. Mobilfunk-Anschlüsse gegeben.

1 Response to "Die Zukunft der Datennetze"

  1. Tim

    Hi zusammen,
    ja, UMTS rockt inzwischen absolut. Wir haben z.B. grad rausgefunden, dass an 77% der Standorte mit UMTS-Versorgung mindestens ein Netzbetreiber UMTS oder HSDPA anbietet. Da wird´s interessant, oder?!
    http://www.hsdpa-umts-verfuegbarkeit.de/
    http://www.connect.de/news/UMTS-zu-77-Prozent-verfuegbar_5414502.html
    Grüße, Tim

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