Hewlett-Packard

Die Strategie

Neun Wochen nachdem sie das Podest als oberste Chefin von Hewlett-Packard bestiegen hatte, trat Meg Whitman in Europa erstmals vor großes Publikum – bei der Kundenkonferenz HP Discover 2011 in Wien vor geschätzten 7.000 interessierten Teilnehmern. Sie will dem Konzern ein neues Gesicht verpassen, sagte Whitman in ihrer Keynote, ein Gesicht, dem Kunden, Partner und nicht zuletzt auch die eigenen Mitarbeiter wieder vertrauen können. »Ich will das Drama HP aus den Schlagzeilen holen«, verkündete sie programmatisch. »Die Nummer-eins-Frage lautet: Wofür stehen wir, welche unternehmerische Strategie hat HP?«, fragte Whitman provokativ ins Auditorium. Eine Frage, die sich Kunden und Partner in den letzten Monaten oft genug gestellt und keine schlüssige Antwort darauf gefunden hatten.

»Wir sind stolz auf unser Kerngeschäft, die IT-Infrastruktur«, Meg Whitman, CEO von Hewlett-Packard.

Seit ihrem Amtsantritt hat Whitman bereits viel über das Unternehmen gelernt. Sie habe ihre Arbeit bei HP damit begonnen, die Stärken des Unternehmens zu analysieren. Ihr Fazit sei, dass sie in jedem Segment, in dem sie vertreten sind, Nummer eins oder Nummer zwei im Markt seien. Whitman hat sich auch klar zum PC-Geschäft bekannt. Eine Softwarefirma sei HP nicht und wolle es auch nicht werden. Der stärkste Geschäftszweig des Unternehmens sei die IT-Infrastruktur, die 70% der Einnahmen einbringe. »Wir sind stolz auf diesen Kern«, sagte Whitman und nannte fünf Säulen ihrer Strategie: Converged Infrastructure, Application Transformation, Enterprise Security, Information Optimization und Hybrid Delivery. Erhöhte Investitionen kündigte Whitman zudem für den Bereich Forschung und Entwicklung an: Das Budget für F&E sei bereits im vergangenen Geschäftsjahr angehoben worden und werde für 2012 und 2013 weiter erhöht.

Erste Autonomy-Produkte. Whitman skizzierte die Konturen eines Unternehmens, in dem Server, Storage und Printer – also die sehr umsatzstarke Hardware-Infrastruktur – den harten Geschäftskern bilden, der durch den margenstarken Geschäftsbereich Software ergänzt wird. HP Software wächst mit 28% (Q4 2011) am stärksten, und Software scheint zurzeit HPs kreativster Innovationstreiber zu sein. Die Akquise der britischen Softwareschmiede Autonomy, mit rund 10 Mrd. US-Dollar nicht gerade ein Schnäppchen, trägt dazu erste Früchte.

Hardwareseitig sollen nun in drei neuen Autonomy-Appliances (für Archivierung, E-Discovery und Enterprise Search) bereits HP-Produkte – Proliant-Server, Storage-Komponenten und Netzwerktechologie – zum Einsatz kommen, um bisher nicht verwertbare Datenschätze in Unternehmen heben zu können.

Intelligent Data. Das Rückgrat der Software bildet Autonomys »Intelligent Data Operating Layer« (IDOL Release 10) – ein Stück Middleware, das Informationen aus unstrukturierten Daten wie Texten, Audio- und Videodateien, Social Media, E-Mails und Web-Inhalten erschließt wie ebenso aus strukturierten Quellen, wie Log-Dateien und maschinengenerierten Sensordaten. IDOL bindet zu alldem auch die Analyse-Engine der ebenfalls 2011 von HP gekauften Firma Vertica an.

Autonomy-CEO Mike Lynch zufolge nimmt die Menge unstrukturierter Daten dreimal so schnell zu wie die strukturierter. »Viel zu lange haben Firmen strukturierte Daten relationalen Datenbanken anvertraut und unstrukturierte Daten mit einfachsten Technologien zur Abgleichung von Schlüsselbegriffen erschlossen«, sagte Lynch. Die Verknüpfung beider Welten erlaube es nun, neuartige Anwendungen zu entwickeln, um die in »menschengerechten Daten« vorliegenden Informationen zu erschließen.

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