Business Intelligence

Der Blick aufs Wesentliche

Im letzten Jahr haben deutsche Unternehmen mit Business Intelligence- Lösungen (BI) im Einsatz durchschnittlich eine um ein Prozent höhere Nettorendite erwirtschaftet. Ebenso zeigen sie sich hinsichtlich ihrer weiteren Wettbewerbsperspektiven positiver gestimmt. Dies ermittelte der BIBarometer des Hamburger Beratungshauses novem business applications, der seit 2006 regelmäßig durchgeführt wird. Die Sondage vergleicht jährlich die Geschäftsergebnisse von rund 300 Firmen mit und ohne BITechnologie zur Unternehmenssteuerung.

Laut BI-Barometer erreichte 2008 die durchschnittliche Umsatzrendite der Unternehmen mit Business Intelligence nach Steuern einen Wert von 5,27 Prozent. Sie verzeichnete angesichts der konjunkturellen Schwächephase der Wirtschaft damit zwar im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 0,4 Prozentpunkten. Doch bei den Betrieben ohne BI fiel der Gewinn bei durchschnittlich 4,19 Prozent im gleichen Zeitraum etwa ein Fünftel geringer aus. Außerdem verzeichneten sie gegenüber 2007 einen höheren Rückgang der Umsatzrendite als die BI-Anwender. Damit hat sich die Schere der beiden Vergleichsgruppen bei den Geschäftsergebnissen seit 2006 weiter geöffnet.

»Die Ergebnisse belegen, dass sich die Ausrichtung auf Business Intelligence nicht nur lohnt, sondern unter konjunkturell schwierigen Bedingungen noch stärker als Instrument zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit wirksam erweist«, kommentiert novem- Geschäftsführer Anastasios Christodoulou. Der strategische Wert von BI erschließe sich jedoch der Wirtschaft noch längst nicht in ganzer Breite. »Die Betriebs- und Marktinformationen werden zwar immer komplexer, aber trotzdem beschränken sich Unternehmen in nicht geringer Zahl auf sehr klassische Methoden der Analyse«, gibt Christodoulou zu bedenken. Insofern sei es auch nicht überraschend, dass die Firmen mit BIAusrichtung tendenziell bessere Geschäftsergebnisse aufweisen.

Dieser Unterschied trifft ebenso auf die weiteren geschäftlichen Perspektiven zu. Hier erwarten die BI-Anwender für die nächste Zeit auch unter Berücksichtigung der konjunkturellen Rahmenbedingungen immerhin noch zu 55 Prozent einen guten bis sehr guten Fortschritt. Das sind dennoch deutlich weniger als vor Jahresfrist, als 68 Prozent optimistische Erwartungen zu Protokoll gaben.

Noch deutlicher sank der Wert in der Vergleichsgruppe. Diese Unternehmen hatten aber auch schon in den beiden Vorjahren ihre Business-Perspektiven regelmäßig skeptischer bewertet, was sich auch jeweils in den folgenden Geschäftsergebnissen bestätigt hatte.

Strategische Defizite. Die meisten Anwender von BI-Lösungen sind jedoch alles andere als zufrieden mit ihren gegenwärtigen Bedingungen. So geben in einer Erhebung des Beratungshauses coretelligence die befragten Firmen mehrheitlich zu Protokoll, dass ihre größten Schwächen in strategischen Defiziten liegen und sie nur geringes Zutrauen in die Zukunftsfähigkeit ihrer BI-Infrastruktur haben. coretelligence erwartet deshalb den Beginn einer neuen Phase in der BI-Kultur der Unternehmen. Sie werde die bisherige technische Fokussierung in der BI-Ausrichtung durch eine stärkere strategische Positionierung ablösen.

Das hat offenbar als Ursache, dass in den Unternehmen eine wachsende Unzufriedenheit mit dem erreichten Status in Sachen Business Intelligence besteht. Denn 59 Prozent der BI-Anwender sehen aktuell die größten Schwierigkeiten in strategischen Defiziten. Auch Akzeptanzprobleme auf der Benutzerseite werden von ähnlich vielen (55%) als Schwäche thematisiert.

Vergleichsweise wenige der befragten Unternehmen (46%) orten demgegenüber dringenden Handlungsbedarf in technischer Hinsicht. »Dies deutet darauf hin, dass ein deutlicher Blickwechsel vorgenommen wurde «, interpretiert coretelligence-Geschäftsführerin Marianne Wilmsmeier die Ergebnisse. »Statt wie bislang Fragen der Plattform, Tools und Implementierungen in den Vordergrund zu stellen, scheint immer häufiger die Notwendigkeit festgestellt zu werden, dass sich Business Intelligence und Geschäftsstrategien stärker zusammenführen lassen müssen«, sieht die Consulterin darin deutliche Hinweise für ein Umdenken.

Welche Notwendigkeit nach Meinung der Firmen dafür besteht, zeigt ihre skeptische Bewertung der Zukunftsfähigkeit ihrer BIInfrastruktur: Lediglich ein Viertel der Anwenderunternehmen bezeichnet sie als positiv, zumindest zufriedenstellend noch weitere 31 Prozent. Alle anderen hingegen geben ein kritisches Urteil ab oder haben hierzu sogar eine »sehr kritische« Einschätzung.

»Dahinter verbirgt sich vermutlich die Erfahrung, dass die Business Intelligence-Strategien trotz aller vollmundigen Verheißungen der Vergangenheit bisher noch nicht die gewünschten Effekte erzielt haben«, glaubt Wilmsmeier. Dies decke sich mit ihren derzeitigen Erfahrungen in der Beratungspraxis und weise auf eine wachsende Sensibilität für die grundlegenden Probleme hin. »Es sollte den Verantwortlichen langsam deutlich werden, dass selbst die besten Technologien nur wie mit angezogener Handbremse wirken, wenn die BI-Prozesse nicht aus übergeordneten Zielen abgeleitet sind. Technologiegesteuerte Konzepte erzeugen Planlosigkeit, wie dies sehr häufig in der Praxis abzulesen ist«, so Wilmsmeier.

Die coretelligence-Geschäftsführerin erwartet deshalb deutlich veränderte Akzentuierungen in der BI-Diskussion. »Die Anwender sind durch ihren zunehmend breiteren Erfahrungshorizont in ihren Positionierungen reifer und anspruchsvoller geworden.« Dies berge vor allem auch die Chance in sich, bisherige Modelle kritisch zu hinterfragen.

Allerdings ist sich Wilmsmeier unsicher, ob in den Unternehmen hierfür der nötige Spielraum bestehe: »Solange das Top-Management seine bisherige Zurückhaltung nicht aufgibt und Business Intelligence zu seinem Thema erklärt, sind auch weiterhin Schwierigkeiten vorprogrammiert.«

Mit Fehlern gepflastert. Actinium Consulting fand heraus, dass die Einführung von BI-Lösungen die Unternehmen nach eigener Einschätzung unverändert vor sehr anspruchsvolle Herausforderungen stellt. Die Bewertung des Schwierigkeitsgrades ist in ediesbezüglichen Vergleichsstudie gegenüber 2007 sogar noch gestiegen. Auffällig ist, dass immer mehr Unternehmen falsche Entscheidungen bei der Tool-Auswahl erkennen.

Laut der diesjährigen Erhebung geben fast drei Viertel der Befragten zu Protokoll, dass ihnen die bisherigen BI-Maßnahmen schwer gefallen sind, vor zwei Jahren waren es nur zwei Drittel der Unternehmen. Aktuell bezeichnen 40 Prozent die Anforderungen als »sehr hoch« und 35 Prozent als »hoch«. Actinium- Geschäftsführer Klaus Hüttl vermutet, dass unverändert strategische Schwächen die zentrale Ursache der vielfachen Projektschwierigkeiten sind. »BI-Projekte stellen aufgrund ihrer Komplexität alles andere als eine triviale Angelegenheit dar«, so Hüttl. »Entsprechend vielfältig sind die potenziellen Fallstricke, weil fachliche, technische und organisatorische Bedingungen zusammengeführt werden müssen. Fehlt es aber an einer klaren strategischen Zielbestimmung, kommt es in der Folge zu unzureichenden Planungen, die den Nutzen der BI-Implementierungen deutlich beschränken.«

Hüttl empfiehlt den Unternehmen deshalb, den Strategieentwurf einem erfahrenen BIExperten vorzulegen, der durch seinen neutralen Blick auf mögliche Schwächen und Optimierungspotenziale hinweisen kann. Der Nutzen hierfür liege auch in einer präziseren Anforderungsanalyse zu Beginn des BIProjekts, die von fast zwei Dritteln der Befragten als seinerzeit nicht ausreichend bewertet wird und nun negative Auswirkungen habe. Zwei Jahre zuvor hatten 8 Prozent weniger Verantwortliche Mängel im Anforderungsprofil geäußert.

Aber auch hinsichtlich ihrer Auswahl der BI-Tools haben die Firmen inzwischen eine noch selbstkritischere Position. Gaben vor zwei Jahren 46 Prozent selbstkritisch zu, dass sie – rückblickend betrachtet – keine ausreichende Systemauswahl vorgenommen hätten, so ist die Unzufriedenheit mit den Tool-Entscheidungen aktuell um ein Fünftel auf 58 Prozent gestiegen. »Statt die Auswahlkriterien aus der BI-Strategie abzuleiten, wird häufig die Strategie auf die ausgewählten Tools zugeschnitten«, sagt Hüttl. Ausgangsüberlegung müsste jedoch immer sein, eine technisch dominierte BI-Ausrichtung zu vermeiden und stattdessen das Leistungsprofil für die Tools aus einer strategischen Gesamtsicht abzuleiten. »Sonst erzeugen die Werkzeuge erhebliche Fesseln, verhindern die Entfaltung der potenziellen Nutzeneffekte und begrenzen stattdessen den ROI der Business Intelligence-Investitionen oder erzeugen sogar teure Spätfolgen«, urteilt der Actinium-Berater.

Klaus Hüttl sieht dabei aber auch die BIAnbieter nicht frei von Verantwortung. Sie müssten durch eine kritische Brille betrachtet werden. »Eine der wesentlichen Ursachen für häufige Fehlentscheidungen bei der Auswahl der BI-Produkte besteht darin, dass die Hersteller oft nicht die Praxis in den Vordergrund stellen, sondern mit interessanten Features, schnellen Einführungszyklen oder Integrationsargumenten locken«, kritisiert Hüttl. Viele Unternehmen würden jedoch während der Projektrealisierung feststellen, dass deutliche Diskrepanzen zwischen ihren Bedürfnissen und den Möglichkeiten der BI-Software bestehen. Hier zeige sich auch, dass prominente Marktplayer keineswegs immer automatisch zum Erfolgsgaranten werden.

Minderung der Risiken. Weil BI-Projekte ebenso wie andere IT-Vorhaben vielfach ihre Ziele nicht präzise erreichen und nicht ausreichend kosteneffizient sind, hat novem ein spezielles systematisches Strategie-, Qualitäts- und Testmanagement entwickelt. Es beruht auf Best Practice und zielt mit seiner objektiven Methodik darauf ab, die Kosten in erheblichem Umfang zu reduzieren. Eingesetzt werden kann dieser BI-Check nicht nur vor der Entscheidung zur Einführung eines BI-Systems, sondern zur Qualitätsanalyse auch während der Implementierungsphase oder vor der Abnahme einer BI-Lösung.

In dem Check wird eine Situationsanalyse des Projekts und des Unternehmens durchgeführt, die sich an verschiedenen erfolgskritischen Faktoren orientiert. Dazu gehört einerseits die Antwort auf die Fragestellung, welche Vorgehensweise für den betreffenden Anwender am vorteilhaftesten ist. Andererseits wird geklärt, wie viel Aufwand für das Projekt zu veranschlagen ist und welche Eigenschaften die BI-Lösung idealerweise aufweisen sollte. Auch das Qualifikationsprofil des Dienstleisters und der internen wie externen Projektmitarbeiter werden dabei definiert. Zudem werden die Erfordernisse hinsichtlich der Wartung und Services ermittelt. Darüber hinaus erhalten die Unternehmen eine Bewertung ihrer bisherigen bzw. vorgesehenen Maßnahmen bezüglich der vorgegebenen Ziele, Vorschläge für Strategien und pragmatischen Maßnahmen sowie eine Kalkulation der Umsetzungsmöglichkeiten und Kosten.

»Durch ein solches Vier-Augen-Prinzip reduzieren sich deutlich die Projekt- und Budgetrisiken «, verspricht novem-Geschäftsführer Dr. Peer Schwieren. »Außerdem ist ein Strategieabgleich durch die Brille eines neutralen Dritten immer hilfreich.« Die Kosten für diesen BI-Check liegen im niedrigen Prozent- Bereich der Projektaufwendungen und sind vom Volumen der BI-Maßnahme abhängig.

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