Cloud Controlling

Die unerwarteten Kosten des Umzugs

Führende Think Tanks wie Booz Allen Hamilton oder The Brookings Institute bestärkten in ihren Studien die Erwartungshaltung, dass ein Umzug in die Cloud massive Kosteneinsparungen in der IT bringen würde.
Die Realität sieht allerdings ein wenig anders aus: In einer 2014 von IDG Enterprise durchgeführten Umfrage gaben 63% der befragten Unternehmen IT-Agilität als Hauptgrund für ihren Umzug in die Cloud an; bei 61% war es IT-Innovation und bei 58% der „Zugriff auf unternehmenskritische Daten und Anwendungen«. Nur 23% führten an, dass sie mit der Cloud die IT-Kosten senken konnten, und 20%, dass sie nun weniger IT-Mitarbeiter bräuchten.

Gerhard Raffling, Country Manager für Commvault in Österreich

Gerhard Raffling, Country Manager für Commvault in Österreich

Somit ist in den Medien heute eher vom versteckten Kostenaufwand der Cloud die Rede, wie etwa unlängst in einem Artikel des Wall Street Journal. Woran liegt das? Was ist passiert?

Folgen der Umstellung von CAPEX auf OPEX. Viele Kunden sehen sich zusehends unerwarteten Kosten gegenüber – meist in Form von überhöhten Rechnungen eines Cloud-Providers. Von allen Seiten hört man von Cloud-Instanzen, die zwar eingerichtet sind, aber ungenutzt bleiben. Diese sogenannte »Cloud Sprawl« stellt für Unternehmen ein zunehmendes Problem dar. Es fehlen die Kontrollen, um die Ressourcen überblicken und verwalten zu können. Und viele machen sich überhaupt keine Gedanken darüber, wie man die Kosten der Cloud kontrollieren könnte.

Im traditionellen CAPEX-Modell, das auf Investitionskosten basiert und auf dem herkömmliche Rechenzentren aufgebaut sind, dominieren hohe Kosten für den Kauf von Hardware und Software, die üblicherweise alle drei bis vier Jahre ersetzt werden. In einer Cloud-zentrierten Welt, in der das Hauptaugenmerk den Betriebskosten (OPEX) gilt, geht es um monatliche oder jährliche Abonnementkosten. Das sollte letztlich ein Vorteil sein. Ein hochgradig variables CAPEX-Modell mit gelegentlichen, jedoch teuren Zukäufen wird durch ein überschaubares OPEX-Modell mit (theoretisch) gut planbaren, da fixen monatlichen Kosten ersetzt.

Das herkömmliche CAPEX-Modell hatte den Vorteil, dass für das Ressourcenmanagement bewährte, etablierte Kontrollprozesse vorhanden waren. Doch das wird bald Vergangenheit sein. Wir erleben jetzt eine Übergangsphase, in der die IT zwar technisch bereits auf das neue Utility-Modell umgestellt hat, d.h. für Services verbrauchsabhängig bezahlt, in ihrem Kosten- und Ressourcenmanagement aber immer noch im alten CAPEX-Denken verhaftet ist.

Zeit zum Umdenken. Um dieses Problem zu lösen, bedarf es neben neuer Tools und Technologien ebenso einer Änderung der Denkweise und der Managementprozesse. In der IT sind wir es seit vielen Jahren gewohnt, in hochpreisigen Kaufzyklen und Kapitalkosten zu denken. Ein Umdenken auf Utility braucht seine Zeit. Jene Unternehmen allerdings, die schnell umdenken, werden deutlich im Vorteil sein.

Die neue Denkweise wird einige neue Tools erfordern, um dies alles zu optimieren. Stellen Sie sich ein einziges webbasiertes Tool vor, das alle hier folgenden Aufgaben erfüllt:

• Bereitstellung einer Vielzahl von Cloud-Instanzen
• Festlegung von Ablaufdaten für diese VMs
• Automatische Abschaltung der VMs nach deren Ablauf
• Management vieler Cloud-Plattformen über eine einzige Schnittstelle

Mit dieser Art von Funktionalität können Sie sicherstellen, dass ein Team (beispielsweise ein Entwicklungsteam, das an einer neuen Anwendung arbeitet) bei seinem Projekt in der Cloud nicht einfach sorglos »das Licht brennen lässt«, wenn es nach Hause geht. Die Idee ist, eine gewisse Automation in den »Aufsichts- und Aufräumabläufen« zu erreichen.

Um unerwartete Kosten für die Cloud zu vermeiden, brauchen wir ein neues Controlling-System, das die CPU-Zyklen, die Netzwerkbandbreite und die Speicherressourcen kontrolliert, die tatsächlich GENUTZT werden, und nicht bloß jene, die gekauft werden, jedoch ungenutzt bleiben. Die Zeiten, in denen wir physisch Geräte zählten, waren schon damals vorbei, als wir begannen, weite Teile unserer Rechenzentren zu virtualisieren. Wobei: Genau genommen zählen wir jetzt stattdessen Steckdosen und VMs. Wenn wir jetzt allerdings beginnen, die tatsächliche und legitime Nutzung durchgehend zu erfassen, werden wir vielleicht feststellen, dass die Cloud nicht die Welt kosten muss.

Gerhard Raffling

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