Cloud Computing

Die neue Wunderwaffe?

Der Logistikdienstleister DPD beschleunigt seine Transportabwicklung und senkt die Kosten, indem er Geschäftskunden ihre Daten automatisch ins DPD-Standardformat konvertieren lässt – mit einem Service aus der Cloud. Daimler baut die IT-Organisation um, damit der Autokonzern schlagkräftiger wird. Vorgabe des CIO: In zehn Jahren sind 30 Prozent der Anwendungsfälle aus der Cloud zu beziehen. Viele Branchen erleben einen neuen Gründungsboom: Seit jedes Start-up seinen Bedarf an Rechenleistung durch Cloud Computing decken kann, lassen sich Ideen realisieren, die noch vor wenigen Jahren nur für Großunternehmen finanzierbar waren.

Cloud Computing hat sich etabliert: Es beeinflusst maßgeblich Geschäftsmodelle und trägt zur Harmonisierung von IT-Architekturen sowie einem effizienteren IT-Management bei. Als wichtige Vorteile nennen Befürworter vor allem Serviceorientierung, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit.

Trotzdem bleiben die Kritiker dabei, dass durch die IT-Auslagerung in die »Wolke« ein Verlust an Kontrolle drohe – mit negativen Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von Unternehmen sowie großen Sicherheitsrisiken, weil Daten verloren gehen oder abgeschöpft werden könnten. Zahlreiche Vorstände und IT-Verantwortliche tun sich nach wie vor schwer mit Entscheidungen in Sachen Cloud.

Weil sie ständig mit Mythen konfrontiert sind, die die Fakten in den Hintergrund drängen, können sie mögliche Vor- oder Nachteile einer Investition in die Cloud sowie die damit verbundenen Erfordernisse nicht ausreichend fundiert einschätzen. Deshalb ist es wichtig, diese Mythen einem Realitätscheck zu unterziehen.

Skeptiker behaupten etwa, Cloud Computing betreffe nur die IT-Organisation und habe sonst kaum Auswirkungen auf das Unternehmen. Tatsächlich eröffnet es neue Wachstumschancen, teilweise durch völlig neue Geschäftsmodelle. Und neben der flexiblen Nutzung von Technologie, Daten und IT-Services erlaubt es eine umfassende Prozess-Standardisierung.

Befürwortern gilt die Cloud als Effizienzturbo, Kritikern als Sicherheitsrisiko. Tatsächlich ist sie jederzeit eine Überlegung wert: Wer die IT-Auslagerung sorgfältig plant und Prozesse, Strukturen sowie Schulungen darauf ausrichtet, kann nachhaltig seine Wettbewerbsfähigkeit steigern. Ein Diskussionsbeitrag von Christoph Mayer, Sales Director Outsourcing bei Accenture Österreich.

Christoph Mayer, Sales Director Outsourcing bei Accenture Österreich.

Cloud-basierte Dienste zeichnen sich durch hohe Agilität aus und senken Wachstumshürden, da sie große Investitionen in die eigene IT-Infrastruktur überflüssig machen sowie Katalysator für Angebote im »Internet der Dinge« sein können. Cloud Computing darf nicht als kleiner Schritt einer technischen Entwicklung hin zu mehr IT-Industrialisierung und Kostensenkung missverstanden werden. Es ist vielmehr eine wichtige Grundlage für künftige Geschäftsinnovationen.

Datensicherheit gewährleistet. Weit verbreitet ist auch die Angst, Cloud Computing gefährde Datensicherheit und Datenschutz. Tatsächlich erhöhen viele Angebote sogar die Datensicherheit der Kunden. Wichtig ist, infrage kommende Dienstleister gut zu überprüfen. Gewählt werden sollte ein zertifizierter Anbieter, der die IT-Sicherheit durch Professionalisierung und Skalierung von Sicherheitsmaßnahmen zu seiner Kernkompetenz macht. Außerdem erfordert jede Cloud-Strategie ein durchgängiges Sicherheitskonzept, bei dem branchen- und länderspezifische Anforderungen ebenso berücksichtigt werden wie die Sicherheitsniveaus für Anwendergruppen, Applikationen und Daten.

Klare vertragliche Regelungen der Zusammenarbeit bis hin zur Datenrückgabe und -vernichtung sind ebenso wichtig. Umstritten ist die Frage, ob Cloud Computing die Kosten senkt. Tatsächlich sind Einsparungen kein Automatismus. Zurück gehen die IT-Ausgaben, wenn die Cloud Strategie durchdacht ist und von striktem Kostenmanagement begleitet wird.

Projektplanung wichtig. Die Integration Cloud-basierter Anwendungen in andere IT-Lösungen ist komplex, zumal nicht jede Schnittstelle Cloud-Standards folgt. Auch dürfen nicht nur laufende IT-Kosten mit denen einer Cloud-Lösung verglichen werden. Integrationskosten und für den Regelbetrieb benötigte Ressourcen zählen ebenfalls. Negativ beeinflussen den Business Case etwa Mitarbeiterschulungen und Abschreibungen auf die bestehende Infrastruktur, positiv Einsparungen bei den Energiekosten durch die IT-Auslagerung.

Wer diese Aspekte berücksichtigt und die Strategie entsprechend plant, wird vom Cloud Computing profitieren. Hauptargument gegen das Cloud Computing ist oft die Angst, die Kontrolle über die IT zu verlieren. Tatsächlich könnte das passieren, wenn man ohne übergreifende IT-Governance operiert – aber dann hat man seine IT generell nicht im Griff.

Das Risiko bleibt beherrschbar, wenn Cloud Computing sorgfältig geplant und den Mitarbeitern erklärt wird. Es ist wichtig, ihnen für IT-Investitionen und den Bezug von IT-Services klare Entscheidungswege vorzugeben. Ausgeschaltet werden muss außerdem die sogenannte Schatten-IT – Leistungen, die an der internen IT vorbei eingekauft werden. Nicht zuletzt deshalb muss sich die IT-Abteilung als Dienstleister sowie Innovationsberater für die Fachabteilungen etablieren und Anforderungen zeitnah mit der Fachseite diskutieren sowie das Portfolio unbürokratisch, aber zielführend steuern.
Die Vorteile des Cloud Computing wirklich nutzen wird nur, wer dieses Thema mit einer durchdachten Strategie angeht. Cloud Computing ist keine Wunderwaffe – aber wer es sorgfältig einsetzt, kann seine Wettbewerbsfähigkeit auf diese Weise nachhaltig stärken.
Christoph Mayer

Sourcing in Zeiten digitaler Transformation
Digitale Lösungen und neue Geschäftsmodelle erlauben Unternehmen, statt Produkte und Services mehr Nutzen und Ergebnisse zu verkaufen. In einer Welt, in der jedes Auto, jedes Haus und viele Objekte vernetzt sind, müssen Unternehmen rasch reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das stellt neue Herausforderungen an die Lieferung von IT-Leistungen – diese müssen agil, skalierbar und einfach zu liefern sein.

Cloud Computing ist in den Unternehmen angekommen. Meist sind es Mischformen von Private- und Public Cloud-Lösungen, also Hybrid Cloud. Information Security und Einsatz von mehreren Cloud-Anbietern stellen oft noch eine Hürde dar. Die Vorteile sind nicht nur niedrigere Kosten (und OPEX statt CAPEX), sondern vor allem die rasche Verfügbarkeit, Standardisierung und Skalierbarkeit. Business und IT dürfen sich nicht als abgekapselte Bereiche verstehen, sondern müssen eng zusammenarbeiten. Laut Gartner gehen 67% der IT-Ausgaben in Run-IT.

Unternehmen müssen mit immer mehr Partnern zusammenarbeiten und vernetzt sein. Laut Cisco wird es 2020 über 50 Milliarden vernetzte »Dinge« geben und das Thema »Internet of Things« eine zentrale Bedeutung einnehmen. Microsoft hat laut eigenen Angaben über 640.000 Partner in ihrem Ecosystem.

Accenture sieht daher drei wesentliche Bereiche für eine künftige Applikations-Strategie:
• Liquidität: Modulare Architektur unter Einbindung von PaaS-Lösungen, »Cloud first«-Strategie
• Intelligenz: Integration von Analytics, Automatisierung
• Vernetzung: Über die Unternehmensgrenzen hinweg ein hohes Maß an Standardisierung, Einbindung der »Internet of Things«

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