Business Intelligence

Wohin geht die Datenanalyse?

Gregor Zeiler, Business Development Manager bei Trivadis

Gregor Zeiler, Business Development Manager bei Trivadis

Mit dem Big-Data-Thema hat Business Intelligence eine neue Dimension erhalten. Die Grundthematik der Datenanalyse hat damit einen neuen Komplexitätsgrad erreicht – einen zu hohen?
Gregor Zeiler Für die breite Masse der bisherigen Berichtskonsumenten sicherlich. Die Analysemöglichkeiten, die sich mit Big-Data-Technologien bieten, benötigen ganz bestimmt tiefgreifendes Verständnis für Datenanalyse und Interpretation der Daten. Dazu hat sich mit dem Data Scientist auch ein ganz spezielles Skills-Profil entwickelt. Der Großteil der User wird aber weiterhin mit den herkömmlichen Mitteln das Auslangen finden, sodass es eben nur eine Handvoll Spezialisten benötigt, die mit der Komplexität umgehen können müssen.

Stichwort Datenqualität: Steckt die Datenanalyse in einem Dilemma zwischen Hype und Realität?
Zeiler Eine ausreichende Datenqualität war schon immer eine wichtige Grundlage für gute Ergebnisse aus der Datenanalyse. Mit der Erschließung unstrukturierter Datengrundlagen, wie zum Beispiel bei der Analyse von Click-Streams einer Website, oder der Analyse von Sensordaten einer Produktionslinie, wird die Herausforderung natürlich nicht kleiner. Der Aufwand zur Beherrschung der Datenqualität muss daher auch immer in Relation zum Nutzen aus der Analyse der Daten stehen. Dies wird sicherlich nicht in jedem Anwendungsfall so sein, sodass man bei der Erschließung von neuen Datenquellen diesen Aspekt immer im Auge behalten muss. Wenn es jedoch um interpretierende Analysen geht, die gewisse Trends und Tendenzen aufzeigen sollen, kann man aber auch mit einer gewissen Unschärfe in der Datenqualität leben.

Was sind nach Ihrer Ansicht die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen im BI-Bereich?
Zeiler Agilität und Time-to-Market sind die Schlüsselerfolgskriterien. Nur wer es schafft, seine Lösungen schnell und flexibel an geänderte Rahmenbedingungen anzupassen, wird auch zukünftig erfolgreich sein. Sei es bei der Integration eines zugekauften Unternehmens oder der raschen Einführung eines neuen Produktes, um das Geschäft zu optimieren oder seien es die verschärften Berichtserfordernisse aus neuen Kapitalmarktrichtlinien. Laufend ändern sich Anforderungen an die BI-Lösungen. Sind die eingesetzten Lösungen zu starr oder die Prozesse für das erforderliche Change Management ungeeignet, läuft die Sache schnell aus dem Ruder. Entscheidungen müssen dann oft im Freiflug ohne eine fundierte Grundlage aus der BI-Lösung getroffen werden.

Was sind die aktuellen Treiber für verstärkten BI-Einsatz?
Zeiler Nach wie vor ist es das Bestreben, die eigenen Prozesse und die Leistungsfähigkeit weiter zu optimieren. Mit den Big-Data-Technologien versucht man hier auch bisher noch ungenutzte Datenquellen zu erschließen, um weitere Potenziale auszuschöpfen. Es sind aber zusehends auch externe Faktoren, die den Einsatz von BI treiben. Die Verschärfung von Berichts- und Meldepflichten seitens des Gesetzgebers oder von Aufsichtsbehörden verursachen nicht unerheblichen Reporting-Aufwand. Auch beispielsweise der verordnete Roll-out von neuen Stromzählern, den Smart-Metern, verursacht bei den Energieversorgern zusätzlichen Bedarf an Auswertungsmöglichkeiten zu den zusätzlichen erfassten Messwerten.

Welchen Wert hat Echtzeitanalyse und in welchen Bereichen spielt sie künftig eine markante Rolle?
Zeiler Echtzeitanalyse ist vor allem dort relevant, wo es aufgrund der Analyseergebnisse rasch zu einer Handlung kommen muss. Das einfachste Beispiel – Onlinehandel – kennen wir alle. Sondiert man im reichhaltigen Angebot eines Webshops, kommen prompt Empfehlungen, welche Artikel noch benötigt werden könnten. Es gibt aber auch wesentlich kritischere Anwendungsfälle von Echtzeitanalyse. Zum Bespiel die Betrugsverhütung bei Online-Geldtransaktionen. Oder die Überwachung von kritischen Anlagen wie Energieversorgungsnetze oder Datennetzte. Oft sind es kleine Ursachen, die dann in einer Verkettung von Ereignissen zu einem Blackout dieser Infrastrukturen führen können. Deshalb ist es sehr wichtig, auf Basis von Echtzeitinformationen rasch Handlungen setzen zu können.

Spielt das »Bauchgefühl« bei Unternehmensentscheidungen künftig überhaupt noch eine Rolle?
Zeiler Bei dieser Frage kommen mir meine schulischen Erfahrungen mit der Verwendung des Taschenrechners in den Sinn. Als Schüler schenkten wir diesem Ding vollstes Vertrauen und notierten jedes Ergebnis nicht hinterfragt in unsere Hefte. Erst als unser Lehrer uns dazu nötigte das erwartete Ergebnis vorab grob abzuschätzen, wurde uns klar, dass es auch mit Rechner Fehlerquellen gibt. Ich denke Bauchgefühl und ein gutes Einschätzungsvermögen über die Plausibilität von Analyseergebnissen wird es daher immer benötigen. Denn was nützt schon eine sehr aufwändig und vermeintlich genau ermittelte Zahl, wenn sie am Ende des Tages falsch ermittelt ist.

Hilft BI bei der Optimierung interner Prozesse und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit?
Zeiler BI hilft grundsätzlich bei der Analyse von bestehenden Sachverhalten. Wesentlich dabei ist, dass aus diesen Erkenntnissen dann auch Maßnahmen abgeleitet werden, die die Prozesse verbessern. Ob diese Maßnahmen greifen und inwiefern sie die Wettbewerbsfähigkeit steigern, lässt sich dann wieder mit BI-Mitteln messen. Es muss also ein Kreislauf von Analysieren, Handeln und Messen entstehen. Wenn man diesen Kreislauf laufend praktiziert sind kontinuierliche Verbesserungen garantiert.

Kann ein Unternehmen künftig ohne eine BI-Strategie und ohne den Einsatz entsprechender Systeme und Tools wirtschaftlich noch überleben?
Zeiler Der Einsatz von BI ist mittlerweile selbstverständlich geworden und die Erfordernis dazu unbestritten. Viele Unternehmen haben deshalb auch schon vor vielen Jahren begonnen, BI-Lösungen einzuführen. Weiße Flecken gibt es diesbezüglich kaum mehr. Das Problem liegt eher darin, dass diese Lösungen über lange Jahre gewachsen und inflexibel geworden sind. Dazu kommt noch die Herausforderung bei Bedarf neue Big-Data-Technologien in die tradierten Lösungsarchitekturen integrieren zu müssen. Wie schon eingangs erwähnt, sind Agilität und Time-to-Market die Schlüsselerfolgsfaktoren von BI-Lösungen. Für viele Unternehmen stellt sich also die Frage, wie man sich zukünftig sowohl technisch als auch organisatorisch im BI-Bereich aufstellen soll. Mit einer ausgeklügelten Strategie legt man hierzu sicherlich den Grundstein auch für zukünftige Erfolge.

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