T-Systems

»Wir sind mitten drin«

Dirk Lukaschik, Vorsitz der Geschäftsführung von T-Systems Austria

Dirk Lukaschik, Vorsitz der Geschäftsführung von T-Systems Austria

Sie haben vor neun Monaten den Vorsitz von T-Systems Austria übernommen. Davor waren sie drei Jahre lang Leiter der Region Asia Pacific. Was haben Sie in unsere Alpenrepublik mitgebracht?
Dirk Lukaschik Von Asien muss man die Geschwindigkeit mitnehmen. Dort explodiert der gesamte Markt. Daher gibt es eine extreme Entscheidungsgeschwindigkeit. Nun muss man die örtliche Expertise mit der asiatischen Geschwindigkeit kombinieren – und da haben wir in Österreich ganz tolle Karten.

Was fanden Sie in Österreich vor?
Lukaschik Ich hatte in der Vergangenheit schon oft mit Österreich zu tun, weil wir in Asien ähnliche Branchen und Projekte bedienen. Wir haben in Österreich etliche multinational tätige Kunden aus der Manufacturing-Industrie sowie Schwerpunkte im Public Sector und im Gesundheitsbereich – so wie in Asien auch – da gab es viele gemeinsame Projekte. Zusätzlich hatte ich auch die Verantwortung für den sogenannten »Global Footprint« – also: wie wir uns mit den einzelnen Landesorganisationen als Konzern aufstellen. Dabei ist in jedem Land eine gewisse Stärke wichtig. Und da haben wir in Österreich auf der Delivery-Seite eine unglaublich hohe Kompetenz.

Die Digitalisierung der Wirtschaft ist das Thema des Jahres. Wo setzen Sie den Hebel an?
Lukaschik Ganz einfach: Um Industrie 4.0 einzusetzen, kann man Pilotprojekte schon heute starten, indem man Experten zusammenholt, High-Performance-Infrastrukturen günstig zukauft und dabei nur geringe Investments in die Hand nehmen muss. Meine Devise ist: Kleine Projekte starten, keine großen, nicht unüberlegt, aber wirklich loslegen in der neuen Welt.

Die Digitalisierung stülpt doch letztlich ganze Strukturen und Prozesse um?
Lukaschik Mir geht es vor allem um Projekte, die zur Transformation führen, wie Social Media im Marketing oder Big Data im Produktionsumfeld, etwa Predictive Maintenance, wo sich über die Analyse der Massendaten von Maschinen Wartungszyklen erkennen lassen. Ich kann heute für das ganze Unternehmen sämtliche Leistungsdaten und CAPS analysieren. Ich kann auch für einfache Prozesse künstliche Intelligenz zur Automatisierung einsetzen. Es gibt viele Elemente, wo man die Digitalisierung nutzen kann. Der gesamte Produktionsweg hat sich verändert und individualisiert. Meine Message ist: Wir sind mitten drin. Man soll sich genau anschauen, aus welcher Branche man kommt, wo man ansetzen und schon anfangen kann umzusetzen.

»Mit kleinen Projekte starten, nicht unüberlegt, aber wirklich loslegen in der neuen Welt«, Dirk Lukaschik, Managing Director von T-Systems Österreich.

»Mit kleinen Projekte starten, nicht unüberlegt, aber wirklich loslegen in der neuen Welt«, Dirk Lukaschik, Managing Director von T-Systems Österreich.

Wie soll man die Digitalisierung überhaupt angehen?
Lukaschik Die meisten Unternehmen bewegt heute das Wie, anstatt zu sagen: Ich sehe mir verschiedene Themenfelder an, die Sinn machen, Effizienz zu steigern, ohne gleich den Anspruch zu haben, das ganze Firma um 100% zu drehen.

Ist dabei Beratung stärker gefragt?
Lukaschik Absolut. Es gibt zwei Konsequenzen: Einerseits muss das Management die einhergehende extreme Veränderung steuern und die Transformationsprojekte auch initiieren. Andererseits muss man Expertise von der vertikalen und der fachlichen Seite einholen, die sich um die Transformation der Geschäftsprozesse kümmert.

Hat T-Systems für sich selbst schon diese Transformation verarbeitet?
Lukaschik Unser Portfolio ist schon sehr weit digitalisiert. Wir haben einerseits in Österreich unser eigenes Rechenzentrum und bieten eine hochsichere Cloud-Umgebung an. Sicherheit wird mit Fiber-Security gewährleistet, Big Data-Verfahren und KI-Systemen zur Kontrolle. Gleichzeitig verfügen wir über Branchen-Knowhow und können viele Themen end-to-end betreuen. Cloud, Cyber Security, Big Data-Analysen und die komplette Plattform bieten wir heute in unserem Standard-Portfolio an. Es ist ganz wichtig, diese Dinge nicht bloß mit einem Neben-Portfolio in einer anderen Welt zu bauen.

Was treibt für Sie die Digitalisierung an?
Lukaschik Wir müssen Standards setzen, digitale Leistungen und Services standardisieren und dabei die Professionalität erhalten. Des Weiteren haben sich Datenanalyse und Data Mining durch die von Sensoren und Maschinen stammenden Massendaten derart verändert, dass die Analyse nicht mehr von Menschen sondern von Expertensystemen erfüllt werden muss – Schlagwort Big Data. Zusätzlich ist in diesem Zusammenhang das Thema Sicherheit zentral.

Wie sicher ist Ihre Cloud?
Lukaschik Ich behaupte, unsere Cloud ist heute die Antwort auf das Sicherheitsrisiko. Ein einzelnes Unternehmen hat oft nicht die Kompetenz im eigenen Haus, die notwendigen Maßnahmen für Cyber Security zu setzen. Das kann ein professioneller Partner günstiger und sicherer. Zudem bieten wir als kompletter ICT-Anbieter die notwendige Connectivity.

Wohin hat sich Ihr Portfolio gewandelt?
Lukaschik Angesichts der großen Treiber der Digitalisierung ist es mit Sicherheit die Cloud-Expertise. Hinzu kommt unsere Basis der gesamten IP-Connectivity sowie die Kompetenz im Bereich von Cyber Security und Big Data. Und zudem passen wir dazu die Vertragskonstrukte an.

Um kleinere Kunden zu adressieren?
Lukaschik Von unserer großen Plattform kommend, haben wir auch die Möglichkeit, kleinere Strukturen zu bedienen. Konkrete Angebote und Services dazu werden wir in den nächsten Monaten bekannt geben.

Sie fühlen sich in der Digitalisierungs-Ära sehr gut aufgestellt ?
Lukaschik Deshalb haben wir auch sehr sportliche Wachstumsziele und wollen heuer um 8% und nächstes Jahr um 9% wachsen. In drei bis vier Jahren sollten wir 50% der Leistung aus dem digitalen Portfolio erbringen.
Das Gespräch führte Dietmar Boigner.

T-Systems Innovationscenter
Cyber Security
Da rückt niemand mit der Brechstange an, da splittert kein Glas, da wird auch nicht geschossen – Cyberangriffe sind nicht sichtbar, werden oft erst nach Monaten entdeckt – und sind dennoch fatal: In Europa entsteht laut Interpol durch Cyberkriminalität inzwischen ein Schaden von 750 Milliarden Euro pro Jahr (© KSÖ). Betroffen sind Unternehmen aller Größenordnungen, aber auch Behörden und Privatleute.
Cyberattacken sind ein Hemmschuh für die Digitalisierung und bedrohen das Vertrauen in den technischen Fortschritt im Land. Digitale Kriminalität richtet heute weltweit mehr Schaden an als Drogenhandel oder Piraterie. Einzelne PCs, ganze Server-Farmen und Industrieanlagen werden mit Attacken bombardiert. Die Gründe hinter der zunehmenden Online-Gaunerei sind offensichtlich. Unternehmen müssen umdenken.
Wie genau aber sehen solche Attacken aus? Wie werden sie umgesetzt, wie viel kosten sie, welche Ziele werden damit verfolgt, und warum ist es so schwer, sie zu entdecken? – Diesen und weiteren Fragen geht T-Systems in seinem vor fünf Jahren gegründeten Innovationscenter mit inkludiertem Cyber Security Lab in München auf die Spur. Von mittlerweile rund 4.500 Konzernmitarbeitern des Innovationscenters weltweit arbeiten 1.500 für die IT-Security.
www.t-systems.at

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