Ausgabe 11 / 2010

Evolution im Outsourcing

Dem IT-Services-Markt stehen massive Transformationen
bevor. Das Rennen um die Zukunft hat begonnen.

Arjun Sethi, Vice President und Partner
bei A.T. Kearney, hat sich jüngst an eine
provokante These gewagt: »Innerhalb der
nächsten fünf Jahre wird Outsourcing, so wie
wir es kennen, verschwinden.« Die zuletzt ehrgeizigen
indischen Service Provider würden
kalt gestellt oder absorbiert und US- und europäische
Anbieter dasselbe Schicksal erleiden,
wenn sie nicht aufwachten. Die künftigen
Branchenführer, so Sethi, könnten Google
und Amazon heißen.

Irrsinnig? Nicht ganz. Im Laufe der Industriegeschichte
sind Desktop-Computer den
Laptops gewichen. Web-Portale wie AOL,
MSN und Yahoo machten Platz für Social-
Media-Sites wie Facebook, Twitter und Xing.
Software, die einst über Disketten verbreitet
wurde, ist jetzt als App im Web verfügbar –
mitunter zum Preis eines Hamburgers.
Der Weg der Dinge? Der bekannte Darwin‘-
sche Prozess würde ein frisches Ökosystem
im Outsourcing modellieren und eine neue
Art der Zusammenarbeit mit Kunden in
Gang bringen. Langzeitkontrakte seien
ebenso »out« wie Customized- oder Legacy-
Software und Systems Integration vor Ort.

Skaleneffekte gesucht:
Im neuen Modell
bieten Outsourcer Standards und Software
von der Stange auf »Pay-per-use«-Basis.
Dafür setzen sie die sogenannte Cloud-Technologie
in Bewegung, über die Nutzer via
Internet nun Rechenleistung anzapfen.
Der Anreiz heißt Skalierbarkeit, Flexibilität
und Effizienz: Tausende Server können eine
Anwendung schneller und billiger angehen
oder haben auch Patchworks unterschiedlicher
Technologien besser im Griff.
Warum das Ganze jetzt auf Touren kommt?
Outsourcing dreht sich um Kostensparen.
Viele traditionelle Provider haben ihre Effizienzpotenziale
bereits ausgereizt. Um den
nächsten Level von Einsparungen zu erklimmen,
ist eine schonungslose Suche nach
höheren Skaleneffekten notwendig.

Konsolidierung in Sicht:
Da kommt die Wolke ins Spiel.
Sie wälzt die bisherige
Schwerkraft im Outsourcing von physikalischem
Besitz und Prozessknowhow auf
ein effizientes, skalierbares Betriebsmodell,
das gleichzeitig mehr Anwendungen managen kann.
All diese Faktoren sollen eine Welle der Konsolidierung
im Services-Bereich hervorrufen,
meint Arjun Sethi. Zu viele Anbieter würden
sich seit langem schon auf diesem Feld
tummeln. Nicht zuletzt deswegen werken
zahlreiche klassische Outsourcer seit geraumer
Zeit auf Hochtouren an der Bereitstellung
spezieller Cloud-Services.
Die Frage ist, wie schnell einzelne Anbieter
eine ausreichende Größenordnung erreichen
können. Denn Darwins Prozesskette – einmal
ausgelöst – beschleunigt exponentiell.
Die Handicaps der Traditionalisten werden
zunehmend zu Tage treten.

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