Ausgabe 09 / 2011

Lizenzen fressen Effizienz

Die SAP ist wieder drauf und dran, ihre getreuen
Anwender zu vergrämen.

Kaum drei Jahre nach den heftigen Auseinandersetzungen
der Deutschsprachigen
SAP-Anwendergruppe (DSAG) mit
ihrem zentralen Softwarelieferanten rund um
den Enterprise Support ist in der Community
wieder Feuer am Dach. Die Walldorfer
Lizenzmodelle und deren starre Handhabung
durch den Hersteller erhitzen die Gemüter
in dem Maß, in dem sie IT-Budgets der Anwender
absaugen. Und das ist nicht zu
knapp.

Die Causa:
Viele Kunden setzen in ihren Unternehmen
flächendeckend SAP-Produkte ein.
Nicht wenige IT-Entscheider und Anwender
schätzen dabei den Ansatz der integrierten
Lösung gegenüber dem Flickenteppich eines
Best-of-Breed-Ansatzes. Bei SAP finden sie
ein umfangreiches Spektrum an Lösungen
und Services. Das allerdings ist über die
Jahre stark angewachsen. Vor- und Nachteil
zugleich.
Die Auswahl ist schön und gut, proklamieren
die DSAG-Sprecher, SAP-Kunden fehle
jedoch mehr und mehr der Überblick bei der
zum Produkt- und Leistungsportfolio gehörigen
Preisliste. Hinzu kommen verschachtelt
angewandte Messeinheiten, die z.B. auf
der Anzahl von Prozessoren (CPU) oder der
Menge getätigter Transaktionen basieren.
Des Weiteren stünden starre Konditionen der
von den Geschäftsbereichen gewünschten
Flexibilität im Wege. Wenn beispielsweise
Produkte einmal lizenziert wurden, kann die
User-Anzahl nicht mehr ohne Weiteres nach
unten korrigiert werden, falls die Mitarbeiteranzahl
im Unternehmen sinkt. Diese und
weitere Rahmenbedingungen würden nicht
nur zu hohen Kosten führen, sondern es im
Unternehmen zunehmend schwer machen,
bei neuen Projekten SAP-Produkte gegenüber
Drittanbieter-Produkten zu positionieren,
vermeldet die DSAG. Was bedeuten
kann, dass Kunden sich mehr und mehr
gegen die Software aus Walldorf entscheiden
und SAP Zusatzgeschäft verloren geht.

Das Begehr:
Um auf diese Tendenzen hinzuweisen,
hat die DSAG, die sich auch auf internationaler
Ebene als Vorreiter in der Diskussion
zu künftigen Lizenzmodellen unter
Berücksichtigung der sich verändernden
Landschaften sieht, jüngst ein Positionspapier
erarbeitet und an SAP übergeben. Es umfasst
zentrale Anforderungen und Wünsche der
SAP-Kunden im Bereich Wartung, Lizenzierung
und Preismechanismen: mehr Flexibilität
bei der Wartung, eine Stärkung des
Investitionsschutzes sowie die Wahlmöglichkeit
beim Lizenzmodell.
In ihrem Positionspapier kommt die DSAG
zu dem Schluss, dass die durch den Einsatz
von IT-Lösungen gewonnene Effizienz nicht
von hohen Lizenz- und Wartungskosten
»aufgezehrt« werden darf. »Will SAP die
Kundenorientierung wieder zum Kompass
bei ihren Entscheidungen machen, sollte
sie ihre Lizenzkonditionen und -metriken
an wesentlichen Stellen korrigieren«, so das
DSAG-Papier.
Die weitere Debatte verspricht noch einiges
Konfliktpotenzial. Man darf gespannt sein,
wie die aktuelle Führungsspitze des Softwareriesen
darauf reagiert.

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