Ausgabe 09 / 2010

Zyklische Impulse

Der Sommer war für die IT-Branche spannend.
Der Herbst könnte noch was drauflegen.

Rund um den sommerlichen Skandal
über den unrühmlichen Rausschmiss
von HP-Boss Mark Hurd ging die bemerkenswerte
Bilanz zum Q3 des IT-Konzerns
in der öffentlichen Wahrnehmung unter:
Während Gesamtumsatz im Konzern
um 11% auf 30,7 Mrd. Dollar stieg und
der Gewinn sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
um 6% auf unterm Strich
knapp 1,8 Mrd. Dollar verbesserte, erwies
sich das einst schon totgesagte Geschäft
mit Großrechnern für den weltgrößten
Computerhersteller als wahre Goldgrube.
Keine andere Sparte im weit verzweigten
Unternehmen legte derart stark zu.

Die Rückkehr: Das kann Mainframe-Primus
IBM nur schmunzelnd nur bestätigen. Dort
macht das Geschäft mit den Großrechnern
zwar mit 3 Mrd. Dollar weniger als 3% des
Konzernumsatzes aus, doch damit verknüpfte
Dienstleistungen, Software und Speicher
sorgen für 20% der Umsätze und 40% der
Gewinne von Big Blue. Grund genug für die
Männer aus Armonk, eine Summe von 1,5
Mrd. Dollar in die Weiterentwicklung ihrer
zEnterprise-Systeme zu stecken und sie jetzt
als Kombination aus Mainframe und Blade-
System ihrem p.t. Publikum vorzuführen.
Gerade rechtzeitig, denn die Analysten der
Investmentbank Morgan Stanley gehen
davon aus, dass die Mainframeverkäufe in
der zweiten Jahreshälfte auf 1,9 Mrd. Dollar
klettern und sich damit mehr als verdoppeln
werden. Und das obwohl die alten Schlachtrösser
seit Jahren als Auslaufmodelle gelten,
da viele Unternehmen ihre Systeme für
aufwändige Rechenoperationen mit ganzen
Serverlandschaften ersetzten, da diese billiger
kommen als die bis zu 1 Mio. Dollar
teuren Rechenriesen. Doch in Zeiten des
weltweit zunehmenden Datenverkehrs und
der IT-Zentralisierung dürfen sich die leistungsstarken
Maschinen wieder an einem
erfrischenden Zuspruch erfreuen.

Der Vorstoß: Sommerliche Überraschung
löste jüngst auch der milliardenschwere
Kauf des Anti-Malware-Spezialisten
McAfee durch Intel für 7,7 Mrd. Dollar aus.
Bemerkenswert der Umfang der Investition.
»Offenbar will Intel weg von der Hardware
und hin zur Dienstleistung«, kommentierte
ein Analyst.
Intel hatte zuletzt mit einem Rekordgewinn
und einem zuversichtlichen Ausblick für
Euphorie in der Technologiebranche gesorgt.
Ursache war, dass viele Firmen ihre
in der Wirtschaftskrise aufgeschobene
Anschaffung neuer PCs nun doch in die
Tat umsetzten. Bei der Bekanntgabe der
Quartalszahlen vor gut einem Monat stockte
Intel seine Investitionen auf, da der Konzern
weiter sprudelnde Gewinne erwartet.

Die Aussicht: Marktbeobachter rechnen
damit, dass Branchenriesen wie Oracle,
HP oder IBM Intels Vorstoß kontern werden:
»Wir sind in einer frühen Phase der Konsolidierung
im Softwarebereich, besonders bei
Sicherheitsprogrammen«, schätzt Daniel
Ives von FBR Capital Markets. »Die Intel-
Transaktion spricht für das Zusammenwachsen
von Hardware und Software –
und das ist für die gesamte Industrie ein
wichtiges Thema.«
Die Voraussetzungen für ein spannendes
2. Halbjahr 2010 scheinen gegeben zu sein.

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