Ausgabe 04 / 2010

CIOs am Scheideweg

Wollen Sie sich weiter nur um die IT kümmern,
oder tragen Sie zum wirtschaftlichen Erfolg bei?

Die steigende wirtschaftliche Ausrichtung
der IT drängt den CIO hartnäckig
in eine neue Rolle. Die IT ist nicht einfach
nur mehr da und kostet Geld. Sie ist gefordert,
einen Beitrag zum Geschäftserfolg zu leisten.
George Colony, Gründer von Forrester
Research, hat dazu den Begriff »Business
Technology« (BT) geprägt, den er statt »Informationstechnologie
« für passender hält. Bei
BT geht es darum, den Gebrauch von Technik
nicht mit Technologiemaßstäben zu bewerten,
sondern nach wirtschaftlichen Kriterien.
Denn ob Technik gut fürs Unternehmen ist,
misst sich nicht nach Verfügbarkeitszeiten
der Server, sondern nach dem Return on
Investment einer Anschaffung.
Eine neue Begrifflichkeit ist kein bloßes
Wortspiel, glaubt Colony: »Wer auch nur
dieses eine Wort ändert, beginnt auch die Art
zu verändern, wie IT-Fachkräfte arbeiten.« Mit
einem Business-Fokus würden sie Technologie
als Ganzes begreifen und verstehen, was sie
für den Geschäftserfolg bedeutet.
So einleuchtend das sein mag, das Umdenken
in den IT-Abteilungen geschieht langsamer
als man glauben möchte. Dabei haben die
CIOs einen der schwersten Jobs im ganzen
Unternehmen. Wenn die IT ausfällt, kann das
innerhalb von Minuten im schlimmsten Fall
Millionenschäden hervorrufen. Selbst kleinere
Firmen wissen um die Verantwortung der
CIOs. Wenn die IT nicht funktioniert, liegt
das Geschäft brach. Ohne IT geht nichts.

Vor dem Change:
Dennoch droht den CIOs der
Nebenschauplatz. Erstmals in der Geschichte
der IT gibt es Technologien, die im Unternehmen
ohne die IT-Abteilung eingeführt
werden können: Business Intelligence scheint
bei Finance besser aufgehoben zu sein, um
Web 2.0 mit Blogs und Twitter kümmert sich
die Marketingabteilung.
Technik wird zunehmend zur Massenware.
Selbst Geschäftsführer und Finanzchefs
können mittlerweile mit IT umgehen. Für
sie ist die Nutzform eines Blackberrys oder
iPhones selbstverständlich. Immer mehr von
ihnen sind schon mit Technik groß geworden
und brauchen die IT-Abteilung nicht,
um sich die Handhabung erklären zu lassen.
Und sie denken kreativ über SaaS oder BPO
nach, während die IT-Abteilung noch an den
Response-Zeiten oder Verfügbarkeiten feilt.
Führungsqualitäten. Der Change zu BTBeratern
ist für einst reine Technologen
kein leichter Weg. Wie er dennoch gelingen
kann, zeigt Forrester in seinem jüngst
erschienenen »Best Practices Framework for
BT Leadership Maturity«. Die Richtlinien
sollen CIOs die Möglichkeit zur eigenen
Beurteilung geben.

Unter anderem rät Forrester zum Split von
Angebot und Nachfrage, sprich: den Teil
der Organisation, der sich mit den Auswirkungen
von IT auf das Business beschäftigt,
von jenem, der den Betrieb am Laufen hält,
zu trennen. Das kann soweit gehen, dass
klassische Rollen aus der IT-Abteilung ins
Business wandern.
Womit sich letztlich auch die Herrschaftsfrage
über die IT neu stellt: Jeder Entscheider
im Unternehmen wird mitbestimmen über
die Benutzung von Technik, von der der
Geschäftserfolg abhängt. Der CIO wird
dafür sorgen, dass solche Entscheidungen
mit der IT abgestimmt sind. Und er hat es
auch in der Hand dafür zu sorgen, ob er
selbst an entscheidender Stelle mit dabei ist
oder nicht.

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