Ausgabe 03 / 2009

Plan B

Wie der CIO helfen kann, den Abschwung zu
bekämpfen und Kollateralschäden einzugrenzen.

Die Finanzkrise ist weit schlimmer, als
irgendjemand erwartet hat. Anfängliche
Schätzungen über die Verluste der Finanzinstitutionen
lagen bei 1,5 Billionen Dollar mit einem
daraus resultierenden Rückgang der Kreditkapazitäten
von 19 Bio. Dollar. Der Internationale
Währungsfonds schätzte nachträglich die krisenbezogenen
Verluste allein von US-Unternehmen
auf 1,5 Billionen.

Der Paralleleffekt auf die Realwirtschaft nimmt
klare Konturen an. Es ist nicht mehr die Frage,
ob eine Rezession kommt, sondern wie schlimm
sie wird und wie lange sie dauert. Aktuelle
Erwartungen gehen von einem tiefen und lang
anhaltenden Abschwung aus.
In diesem schwierigen Klima wird den Unternehmen
nahe gelegt, rasch zu reagieren und
systematisch die Größe ihres Problems zu definieren,
zu verstehen, wo und wie es zu adressieren
ist, und Maßnahmen zu ergreifen.
Der CIO und die Krise. Klar ist, die IT-Organisation
– und der CIO als ihr Führer – ist maßgeblich
betroffen. In 2009, so erwarten die Experten
der Boston Consulting Group (BCG), wird das
globale Wachstum der IT-Ausgaben maximal
1% betragen – nach vergleichsweise über 5% im
Jahr 2008.

Bei aller Düsterkeit glauben die Berater dennoch,
dass der Abschwung eine bedeutsame
Gelegenheit für CIOs und die Funktion der IT
darstellt. Die IT ist längst der Herzschlag vieler
Industrien und ein Schlüsselfaktor der Geschäftsentwicklung.
Wolfgang Thiel, Managing Director
der BCG, meint: »IT-Verantwortliche spielen
eine zentrale Rolle bei der Geschäftssteuerung in
der Rezession. IT kann ein Haupttreiber für den
Wandel sein und sogar helfen, dass ein Unternehmen
aus der Baisse stärker hervorgeht, als es
zuvor war.«

Um jedoch sicherzustellen, dass ein Unternehmen
den Abschwung auch überlebt und dann
prosperiert, wenn der Aufschwung kommt,
sollten CIOs eine Reihe praktischer Schritte
überlegen als Teil eines wohldurchdachten Aktionsplans.
Dazu empfehlen die BCG-Berater den
Fokus auf fünf Handlungsfelder:
• Kurzfristige Reduktion der IT-Kosten
• Optimierung der Investitionen für einen kurzund
mittelfristigen Wertbeitrag
• Management des Personalplans
• Ermöglichung des Geschäftswandels
• Wandel der IT-Funktion selbst
Kostenreduktion steht schon lange auf der CIOAgenda
– fraglich, ob sie überhaupt jemals
davon verschwunden ist. Aber die gegenwärtige
Krise ruft nach einer insgesamt anderen, »smarteren
« Annäherung zur Einsparung.

Ausgaben werden 2009 einer strengen Prüfung
unterzogen. CIOs müssen deshalb einen
Weg finden, Projektkosten zu minimieren, aber
gleichzeitig auch Investitionen schützen, die
Kurzzeiteffekte (wie Liquiditätsverbesserung)
erzielen oder neue Geschäftsmodelle für die
Firma unterstützen.
Führungsqualität beweisen. Auch für die
meisten IT-Mitarbeiter bringen die kommenden
Monate noch unsichere Zeiten. Drohende
Arbeitslosigkeit wird die Moral angreifen und
– als Konsequenz – die Produktivität. Der CIO
muss sein Team bestmöglich durch diese harte
Zeit leiten.

Insbesondere die nächsten 12 Monate werden
hohe Ansprüche an Führungskräfte stellen.
Neben der Befolgung eines gezielten Aktionsplans
wird CIOs empfohlen, zusätzlich einen
»Plan B« auszuarbeiten – eine Liste von Aktivitäten,
die rasch ausgeführt werden können, falls
sich die Dinge noch schlimmer entwickeln als
angenommen. BCG-Director Wolfgang Thiel:
»Ein Plan B erlaubt es, Risken zu managen und
rasch zu reagieren. Ein solcher Plan ist nicht nur
ein vorsichtiger Weg, um Krisen zu adressieren,
sondern für den CIO auch eine Gelegenheit,
Führungsqualität zu demonstrieren.«

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