Ausgabe 01 / 2011

Konzentrierte Service-Power

Im Zusammenschluss der französischen Atos Origin
mit der deutschen Siemens-Sparte SIS sollen bislang
ungekannte Dienstleistungskräfte frei werden.

Mitte Dezember wurde der Grundstein
für den größten europäischen IT-Serviceprovider
gelegt, zugleich weltweite
Nummer sieben. 850 Millionen Euro legte
der französische IT-Dienstleister Atos Origin
für die Siemens-Sparte SIS (IT Solutions
and Services) auf den Tisch. »Wir haben
uns entschieden, einen europäischen Champion
zu kreieren«, verkündete Atos-General
Thierry Breton auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Siemens-Boss Peter
Löscher. »Es handelt sich wahrscheinlich
um eine der größten industriellen Partnerschaften
Europas in den letzten Jahren.«

Die Umsatzzahlen der neuen Schlagkraft
mit mehr als 78.000 Mitarbeitern in rund 40
Ländern repräsentieren nun pro forma 8,7
Milliarden Euro – wovon Atos im Vorjahr
5,1 Milliarden einspielte.
Die Transaktion sollte das Problem der kritischen
Masse, unter dem beide Unternehmen
bislang traditionellerweise litten, nun auf
allen Märkten lösen. »Von nun an haben wir
die notwendige Größe, um auch Kandidat
für weltweite Kontrakte zu sein«, unterstrich
Peter Löscher.

Laut Vereinbarung erhält Siemens eine 15%-
Beteiligung an Atos, verpflichtet sich für
die nächsten fünf Jahre Aktionär zu bleiben
und hat zugleich einen dicken Outsourcing-
Vertrag über 5,5 Milliarden Euro für die
kommenden sieben Jahre unterzeichnet. Er
umfasst unter anderem die Systemintegration
für den deutschen Elektrokonzern.

Strategisches Interesse:
Nach Meinung von Analysten ist der von Atos bezahlte
Preis angesichts der zu erwartenden Kosten
für die Integration und Restrukturierung in
der Höhe von weiteren 250 Millionen Euro
etwas überzogen. Die Akquisition habe
ein »strategisches Interesse«, würde aber
die klassischen Risken eines derart großen
Zusammenschlusses mit sich bringen, um
künftig die gegenwärtig schwachen Margen
erhöhen zu können.

Aktuell setzt Atos, die vor allem mit Capgemini,
IBM und Accenture konkurriert,
auf operative Synergien von 225 Millionen
Euro bis 2013. Thierry Breton, der zuvor
schon France Télécom dirigierte und davor
französischer Finanzminister war, scheint
damit jedenfalls gut leben zu können. Die
erwarteten Umsatzzahlen für Atos-SIS
werden auf neun bis zehn Milliarden Euro
für 2013 geschätzt, mit einer Rentabilität
von 7 bis 8%. Die Operation soll bis Juli
2011 finalisiert werden und schließt vorerst
1.750 Freistellungen bei SIS ein.
Die seit Jahren kriselnde Siemens-Sparte
war zu Beginn des neuen Geschäftsjahres am
1. Oktober aus dem Konzern ausgegliedert
und in eine GmbH überführt worden. Noch
im Juni äußerte sich Hanns-Thomas Kopf,
CEO von SIS-Österreich und CEE, gegenüber
output zuversichtlich über die weitere
Eigentümerschaft von Siemens. Nun wird
er sich auf Pariser Entscheidungs-Usancen
einstellen müssen.

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