IT Makes The World Go Round
In den vergangenen 24 Monaten standen die Finanzdienstleister im Brennpunkt der wirtschaftlichen Ereignisse. Auf die große Krise mussten die Banken energisch reagieren und vielfach drastische Maßnahmen ergreifen, angefangen bei der Kostenreduktion und der Steigerung der operationalen Effizienz.
Inzwischen erzielen Großbanken wieder gute Ergebnisse und haben sich stabilisiert. Und zunehmend stellen die Finanzdienstleister fest, dass sie wieder verstärkt Wachstumsthemen aufgreifen müssen. Die gestiegenen Ansprüche der Kunden an Qualität, Geschwindigkeit und Umfang der Dienstleistungen sind wieder in den Fokus gerückt.
Daneben gilt es für die Finanzinstitute, ihre Software-Plattformen zu revidieren sowie Beratungs- und Integrationsleistungen ins Auge zu fassen, um in den zentralen Bereichen Vertrieb, Service und Performance signifikante Fortschritte zu erzielen.
Der Wettbewerbsdruck in der Branche ist nicht geringer geworden. Im Gegenteil. Die Innovationszyklen der Finanzprodukte werden immer kürzer, die Angebote vergleichbarer, die Preise transparenter, der Kunde kritischer und informierter.
Investitionsstau löst sich. Die Investitionsbudgets Banken werden aufgestockt. So erhöht, laut der Studie »Branchenkompass Kreditinstitute« von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut, fast jedes zweite deutsche Institut bis 2013 seine Ausgaben für den Vertrieb und das Kundenbeziehungsmanagement. Knapp 30% investieren darüber hinaus mehr in die Gesamtbanksteuerung und das Meldewesen.

»Die Vielfalt der Vertriebswege hat sich in den vergangenen Jahren weiter erhöht«, Stefan Lamprecht, Senior Executive Manager bei Steria Mummert Consulting.
Auslöser dieser Investitionswelle sind die schneller als erwartet wieder anziehende Konjunktur sowie nicht zuletzt die strengeren Vorschriften der Bankenaufsicht. »Die Vielfalt der Bankvertriebswege hat sich in den vergangenen Jahren weiter erhöht. Daher ist es nur konsequent, dass für Vertrieb und Kundenbeziehungsmanagement mit einem Anteil von rund 30 Prozent die meisten Gelder in den mittelfristigen Investitionsbudgets der Institute reserviert sind«, sagt Stefan Lamprecht, Senior Executive Manager bei Steria Mummert Consulting. »Der Fokus der Investitionen liegt hierbei auf dem Vertriebskanal Internet sowie weiteren Angeboten für Mobile Banking und Social Media.«
Auch innerhalb des zweitgrößten Investitionsblocks – Geschäftsprozessmanagement und Industrialisierung – zeichnen sich eindeutige Schwerpunkte ab. So planen zwei Drittel der Banken, bis 2013 ihre Workflow-Managementsysteme auszubauen. Noch 2009 wollte erst jedes zweite Institut weiteres Geld für die Automatisierung der Geschäftsprozesse in die Hand nehmen. Das größte Industrialisierungspotenzial sehen die Banken dabei im Kreditgeschäft mit Unternehmen sowie in der Banksteuerung und im Meldewesen. »Der Veränderungsdruck in Richtung Industrialisierung und Standardisierung ergibt sich zu einem erheblichen Teil aus den regulatorischen Vorgaben, die in den kommenden Jahren für die Kreditwirtschaft die größte Herausforderung darstellen«, so Lamprecht.
Mehr als nur Cloud. Weltweit werden die IT-Ausgaben schon 2011 wieder beachtlich steigen. IDC prognostiziert eine Summe in Höhe von 1,6 Billionen US-Dollar, 5,7% mehr als im Jahr 2010. Dabei erhöhen sich sowohl die Ausgaben für Hard- als auch für Software. 2011 werden sich auch die Finanzdienstleister noch intensiver mit der IT und modernen Infrastrukturlösungen auseinandersetzen müssen. Regularien sowie Merger und Fusionen verlangen die Modernisierung der IT. Hinzu kommt der bestehende Kostendruck.
Klar ist: Die IT-Infrastruktur ist entscheidend, um im Wettbewerb und im international umkämpften Markt zu bestehen. Folgende wichtige Themen werden die Branche 2011 bei der Auswahl ihrer IT-Lösungen bewegen: Bewältigung hoher Datenvolumina, Cloud Computing, Flexibilität und Agilität. Diese Kriterien werden Maßstäbe für wertsteigernde Softwarelösungen setzen.
Die Datenflut. Das Beherrschen höchster Datenvolumina, wie sie bei Finanzdienstleistern anfallen, ist entscheidend, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. Der Wettbewerb lässt keine Fehlentscheidungen, Image- oder finanzielle Verluste zu.
Die Datenflut wird weiter zunehmen. Ein rückläufiger Trend ist nicht in Sicht. Daher ist die Verarbeitung und Bewältigung hochvoluminöser Datenmengen ein Muss für Softwarelösungen, die bei Finanzdienstleistern zum Einsatz kommen, beispielsweise beim Output-Management oder bei der internen Benutzerverwaltung.
Insgesamt wichtig sind der schnelle Zugang zu den Daten, eine einfachere und sichere Verarbeitung und gesetzeskonforme Archivierung sowie das schnelle, geschäftsprozessorientierte Suchen und Auffinden von Informationen. Nicht zuletzt ist es notwendig, die Mitarbeiter für den sicheren Umgang mit den Daten und den darunterliegenden Applikationen und IT-Systemen zu sensibilisieren.
Die Cloud. Cloud Computing ist bei Großunternehmen, wie es Finanzdienstleister sind, als eine zeitgemäße Neudefinition der bereits seit langem praktizierten IT-Dienstleistung zu sehen. Nach dem heutigen Verständnis des Cloud Computings gewinnt bei den schon bewährten Dienstleistungen jetzt aber der individuelle, flexible Abruf des bereitgestellten Angebots an Bedeutung.
»Private Clouds bieten Finanzdienstleistern die Möglichkeit, momentbezogen und ohne vorher definierte, starre Nutzungsverpflichtungen unterstützende Leistungen zu beziehen, beispielsweise im Bereich Dokumentenlogistik oder Wertpapierabwicklung«, sagt Thomas große Osterhues, Senior Manager bei der Beta Systems Software AG. »Im Sinne individuell nutzbarer IT-Infrastruktur und notwendiger Kostensenkung wird Cloud Computing für Finanzdienstleister eine immer größere Rolle spielen. Der Schutz der sensiblen Daten in der Cloud stellt dabei die größte Herausforderung für die IT-Anbieter dar.«
Die Agilität. Grundsätzlich gilt auch bei Financial Services: Informationssysteme müssen zusammenwachsen, damit der in ihnen verborgene Wissensschatz gehoben werden kann. Komplexität muss beherrschbar werden. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Daten den richtigen Mitarbeitern zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Denn nur eine optimierte IT und agile Geschäftsprozesse ermöglichen es, neue Geschäftschancen schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.
Unternehmenskritische Software muss sich an den Geschäftsprozessen orientieren, technologisch offen und standardisiert sein und Veränderungen im Unternehmen schnell in der IT abbilden. »Zudem ist die nahtlose Integration vorhandener Drittprodukte mittels spezieller Connector-Technologien eine wichtige Voraussetzung«, so große Osterhues.
Fusionen, anhaltende Konsolidierung und Anpassung von Geschäftsprozessen und IT-Systemen führen nach wie vor dazu, dass bereits vorhandene (Alt-)Systeme und neue Unternehmens-IT rasch und flexibel miteinander verknüpft werden müssen. »Der Erfolg von Finanzdienstleistern hängt auch in Zukunft wesentlich davon ab, wie flexibel sie auf die Bedürfnisse ihrer Kunden oder auf neue Regularien und neue Geschäftsmodelle reagieren können«, so große Osterhues.
Wechsel auf Standardsoftware. An jeder Stelle der Bankwertschöpfung spielt IT mittlerweile eine wichtige Rolle. Zwei von drei Kreditinstituten wollen dabei künftig verstärkt Standardsoftware einsetzen. Da neue IT-Lösungen in immer kürzeren Abständen das Geschäft verändern, kann nur so zu vertretbaren Kosten sichergestellt werden, nicht den Anschluss an die technischen Trends zu verlieren. Jede zweite Bank oder Sparkasse will bei IT-Investitionen auf teure maßgeschneiderte Anwendungen verzichten. Vor allem beim Internetbanking greifen die Institute immer häufiger zu einer Software »von der Stange«, laut Branchenkompass von Steria Mummert.
Neben den im Zuge der Finanzkrise verschärften regulatorischen Anforderungen an die Branche sind es auch die Markterfordernisse, die den Trend zur Standardisierung der Banken-IT verstärken. So stehen denn auch Anwendungen für das Internetbanking, Beratungssoftware für Privatkunden und Programme für das Meldewesen ganz oben auf der Einkaufsliste der IT-Abteilungen. »Um strategische Ziele wie Servicequalität und Kosteneffizienz zu erreichen, stützen sich die Banken immer stärker auf die Mithilfe der eigenen IT-Fachleute sowie ihrer Dienstleister «, sagt Bankenexperte Lamprecht. »Neue IT-Anwendungen sorgen dabei häufig dafür, dass die Entscheider in der Finanzindustrie ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln oder die bestehende Ausrichtung sogar verändern müssen.«
Vor allem kleinere Institute werden vor diesem Hintergrund zunehmend dazu gezwungen sein, in der IT verstärkt mit großen Banken zu kooperieren. Die dafür notwendigen Schnittstellen sind ein weiteres Argument für den Einsatz von Standardsoftware.
Industrialisierung geht voran. Die Industrialisierung der Geschäftsprozesse von Kreditinstituten bekommt neue Impulse. Rund 90% der Banken und Sparkassen wollen bis 2013 durch standardisierte Produkte und automatisierte Prozesse ihre Kosteneffizienz weiter erhöhen.
Unabhängig von den aufsichtsrechtlichen Vorgaben besteht das größte noch nicht ausgeschöpfte Standardisierungs- und Automatisierungspotenzial derzeit im Kreditgeschäft mit Unternehmen. 57% der Kreditinstitute sehen bei Firmenkrediten noch zahlreiche ungenutzte Möglichkeiten. Bei den Sparkassen (69%) und Genossenschaftsbanken (65%) dürfte in den kommenden Jahren am meisten in dieser Richtung passieren. Ein Beispiel für die Industrialisierung im Firmenkundengeschäft ist die elektronische Kreditakte.
Mehr als jedes zweite Institut plant hierzu bis spätestens 2013 nennenswerte Investitionen. Um die Effizienzpotenziale, die von der Branche neben dem Firmenkundengeschäft vor allem in der Banksteuerung identifiziert wurden, zu heben, investiert die Kreditwirtschaft massiv. Durchschnittlich 17% ihrer Investitionsmittel werden die Geldinstitute in den kommenden Jahren in die Industrialisierung stecken. Gut 40% der Institute werden heuer mehr investieren als im Vorjahr. Dabei spielt die IT-Unterstützung eine wichtige Rolle. So planen zwei Drittel der Banken und Sparkassen in den kommenden drei Jahren Investitionen in IT-Systeme zum Workflow-Management.
Kundenservice. Die beste Methode, um sich von unliebsamen Marktbegleitern zu differenzieren, ist immer noch die Verbesserung des Kundenservices. Dieses muss heute allerdings mehr bieten als austauschbare Basisleistungen. Es muss in Zufriedenheit und Vertrauen münden. Basis dafür bildet eine IT-Lösung, die alle Prozesse des Kundenmanagements durchgängig unterstützt. Customer Relationship Management ermöglicht es, Kundenorientierung IT-gestützt zu optimieren.
Innovative Lösungen für CRM helfen, eine langfristige Kundenbeziehung aufzubauen und den Kunden noch professioneller betreuen zu können. Existentiell in einer beratungsintensiven Branche wie der Finanz- und Versicherungswirtschaft.






