EY-Studie

Verschweißung von Finanz und IT

Die Zusammenarbeit zwischen Finanzvorständen (CFO) und IT-Verantwortlichen (CIO) nimmt immer weiter zu: 61% der CFOs weltweit beobachten diesen Trend im eigenen Unternehmen. 71% geben an, dass ihre Einbindung in IT-Themen in den letzten drei Jahren zugenommen hat. Dementsprechend identifizieren CFOs auch Cybersecurity, den Aufbau eines funktionierenden Informationsmanagements, die Digitalisierung des Unternehmens und die Einführung und Nutzung von IT-Analysetools als Aufgaben, die für sie in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen haben. Das ist das Ergebnis einer weltweiten CFO-Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die mehr als 650 Finanzvorstände von Unternehmen mit mindestens 100 Mio. US-Dollar Umsatz befragt wurden.

Als größten Treiber für eine stärkere Kooperation mit CIOs sehen Finanzvorstände die Optimierung des Datenmanagements (32%) sowie die Verbesserung von Analysemöglichkeiten (31%) im Unternehmen. Doch obwohl die Zusammenarbeit zwischen Finanz- und IT-Verantwortlichen immer enger wird, funktioniert sie alles andere als reibungslos: Als größtes Hindernis sehen die befragten CFOs selbst ihr mangelndes Verständnis für IT-Themen (44%), knapp gefolgt von fehlenden Erfolgskennzahlen (KPI), die finanzielle Performance und IT-Agenden miteinander verknüpfen (42%).

»Kooperation zwischen Finanzvorständen und IT-Leitern ist ein entscheidendes Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg«, Gunther Reimoser, Partner bei EY Österreich.

»Kooperation zwischen Finanzvorständen und IT-Leitern ist ein entscheidendes Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg«, Gunther Reimoser, Partner bei EY Österreich.

Dementsprechend betrachten viele Finanzvorstände IT immer noch eher als Kostenfaktor und weniger als eine Chance zur Steigerung des Unternehmenserfolgs. Gleichzeitig kämpfen viele CFOs damit, Kostendisziplin und strategische Ambitionen – speziell in puncto Digitalisierung – unter einen Hut zu bringen.

Gunther Reimoser, Partner bei EY Österreich, bestätigt: »Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass die Kooperation zwischen Finanzvorständen und IT-Leitern mittlerweile ein entscheidendes Kriterium für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist. Erfolgreiche Organisationen müssen auf der einen Seite mutige strategische Investitionen in die eigene Technologie tätigen, dabei aber gleichzeitig eine Reihe an schwerwiegenden Risiken wie Cyber-Angriffe oder Datenschutzprobleme bewältigen. Der überlebenswichtige Spagat zwischen Technologie, Investitionsstrategie und Risikomanagement katapultiert die Beziehung zwischen CFO und CIO auf ein neues Level.«

Cybersecurity hat oberste Priorität. Zwei Drittel der befragten CFOs (66%) weisen dem Kampf gegen Cyber-Risiken eine hohe oder sehr hohe Priorität zu. Das forciert die Zusammenarbeit zwischen Finanz- und IT-Leitung: CFOs, für die Cybersecurity eine sehr hohe Wichtigkeit hat, geben fast doppelt so oft an, dass sie eng mit dem CIO zusammenarbeiten. Die EY-Studie verdeutlicht außerdem, dass sich CFOs der wachsenden Professionalität von Cyber-Attacken bewusst sind – in vielen Fällen waren sie selbst schon Opfer von Angriffen.

»Je professioneller die Angreifer, desto stärker haben sie es auf wirtschaftliche Manipulation abgesehen. Das kann so weit gehen, dass sie den Aktienkurs eines Unternehmens manipulieren. Professionelle Angreifer können im schlimmsten Fall den Wert eines Unternehmens künstlich so stark herabsetzen, dass es zu einem niedrigen Preis akquiriert und dann Profit daraus geschlagen werden kann. Alleine dieses Beispiel zeigt, wie wichtig eine enge Abstimmung zwischen CFO und CIO im Bereich Prävention ist«, so Reimoser.

Obwohl sich viele Finanzvorstände der Gefahr von Cyberangriffen bewusst sind, verhindert laut eigenen Angaben ihr fehlendes IT-Verständnis, dass sie die richtigen Investitionen zur Installation eines leistungsfähigen IT-Sicherheitssystems machen können. Auch die Neigung von CIOs, Cybersecurity-Themen im »Fachjargon « zu besprechen, verhindert aus Sicht der CFOs eine schnelle Entscheidungsfindung.

Gunther Reimoser plädiert daher für eine Kooperation mit klarer Aufgabenverteilung: »Cybersecurity ist kein IT-, sondern ein Unternehmensthema und sollte auch dementsprechend behandelt werden – nämlich mit höchster Priorität. Es ist nicht möglich, sämtliche Cyber-Attacken abzuwehren – kein Sicherheitssystem ist an allen Stellen unbezwingbar. Es ist daher Aufgabe des CFOs zu definieren, welche Vermögenswerte des Unternehmens überlebenswichtig sind und deshalb unbedingt geschützt werden müssen. Der CIO erarbeitet dann in einem zweiten Schritt, wie dieser Schutz gewährleistet werden kann.«

Reimoser weiter: »Manche CFOs versuchen, bei der Prävention gegen Cyber-Attacken alle technischen Details zu verstehen. Das sorgt oft für Frustration und ist nicht notwendig. Finanzverantwortliche sollten nur die allgemeinen Leitlinien zum Schutz des Unternehmens vorgeben und die Detailplanung und -umsetzung den IT-Verantwortlichen überlassen.«

Investieren in digitalen Wandel. Auch abseits vom Kampf gegen Cyber-Attacken beeinflusst der digitale Wandel die Arbeit von CFOs fundamental: Neue Technologien ziehen einen einschneidenden Wandel der IT-Funktionen nach sich und verlangen nach einer flexibleren Infrastruktur.

Speziell die Übertragung von Daten in die Cloud stellt eine zentrale Aufgabe für Unternehmen dar. Wie die EY-Studie zeigt, sind Investments in den digitalen Wandel ein messbarer Erfolgsfaktor: Die Hälfte der CFOs, die der Digitalisierung einen hohen Stellenwert einräumen, verzeichneten in den letzten drei Jahren mindestens 10% EBITDA-Zuwachs, 21% sogar mehr als 20%. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Fokus bei US-Unternehmen: Dort rangiert Digitalisierung bei 39% der CFOs ganz oben auf der Prioritätenliste. Dieser Befund spiegelt die Vorreiterrolle der USA beim digitalen Wandel wieder, die speziell von Unternehmen aus dem Silicon Valley und durch den Erfolg von Technologie-Giganten wie Amazon und Facebook vorangetrieben werden.

Dazu Gunther Reimoser: »Wir wissen, dass jene Unternehmen beim digitalen Wandel am erfolgreichsten sind, die eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie verfolgen. Dafür ist es essenziell, dass die Unternehmensstrategie die IT-Strategie bestimmt – und nicht umgekehrt.«

Datenmanagement und Analyse. CFOs haben die Notwendigkeit von leistungsfähigen Analyse- und Datenmanagement-Tools erkannt. Für die befragten CFOs sind Verbesserungen in diesem Bereich auch das wichtigste Argument für eine engere Zusammenarbeit mit IT-Verantwortlichen.
Hier gibt es allerdings noch großen Aufholbedarf: Nur 53% der Finanzverantwortlichen beteiligen sich laut eigener Angabe aktiv an Überlegungen, in welchen Bereichen Analysen den größten Wert für das Unternehmen haben. Dadurch bleibt viel Ertragspotenzial ungenutzt: Wie die EY-Studie verdeutlicht, sind Unternehmen, die professionellen Analysemethoden und Datenmanagement einen hohen Stellenwert einräumen, signifikant erfolgreicher: Fast die Hälfte dieser Unternehmen konnte ihr EBITDA über die letzten drei Jahre um mehr als 10% steigern – unter den »Verweigerern« schaffte das nur knapp ein Drittel (35%).

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