Glosse

Bada Bing!

von Helmut Spudich

output-Kolumnist und Technologie-Redakteur des STANDARD, Helmut Spudich, über eine gewisse Wesensverwandschaft zwischen Steve Ballmer und Tony Soprano.
Helmut Spudich, output-Kolumnist und Technologie-Redakteur des STANDARD

Helmut Spudich, output-Kolumnist und Technologie-Redakteur des STANDARD

Ein guter Name ist ja in diesen Zeiten des Second Life bekanntlich die halbe Miete, was man leicht daran erkennen kann, dass sich aus Danube allenfalls ein Walzer, aus einem Amazon hingegen ein ganzer Geldstrom machen lässt. Wenn Microsoft die Idee, dass zwei oo im Namen ein Milliardengeschäft werden könnten, schon vor 30 Jahren gekommen wäre, dann hätten sie sich das wohl patentieren lassen und müssten sich jetzt nicht mit Yahoo zufrieden geben.
So aber blieb ihnen ein Jahrzehnt lang nichts anderes übrig, als den inferioren Beelzeboob mit brustschwachen Dämonen wie MSN Search oder Live Search vergeblich austreiben zu versuchen.

Bis dann Microsoft-Chef Steve Ballmer eines Tages der Kragen platzte und er eine Heerschar von Marketingmenschen eigenhändig in einem Keller in Redmond einsperrte, bis sie endlich kurz bevor ihnen Diet Coke und Pizza ausgingen einen wirklich zündenden Namen hervorbrachten: Bing!

Seither geht die Post ab mit der Microsoft-Suche, von Juni auf Juli konnte Bing seinen Marktanteil bei verzweifelt suchenden Menschen von 8,4 auf 8,9 Prozent steigern. Also kann es nur noch ein paar weitere Jahre dauern bis zur Marktbeherrschung auf dem Desktop auch das Internet dazu kommt. Bis dahin ist EU-Kommissarin Neelie Kroes schon aus dem Amt und Windows 17 kann dann wieder mit einem Webbrowser ausgeliefert werden, der dann Internet Bing heißt.

Aber wenn man sich jetzt fragen sollte, wieso Bing?, geht man leicht in die Irre, wenn man auf Bingo! tippt. Denn wie hinter den meisten erfolgreichen Produkten ist die ganze Wahrheit einfach die: Sex sells. Man muss ihn nur so sauber verpacken, dass auch noch Eltern ihren Kindern erlauben zu bingen statt zu googeln.

Und das geht so: Nach sieben Jahren Gehirnwäsche durch die TV-Serie »The Sopranos« ist die Stripper-Bar von Tony Soprano im kollektiven amerikanischen Unterbewusstsein nur all zu gut verankert, ein netter Abend um im Anblick von Stripperinnen an der Stange einen harmlosen Drink zu kippen, und wie hieß die Bar doch gleich? BADA BING. Bingo!
Somit offenbart sich erst die ganze geniale Strategie von Bing: Jede Suche quasi die Formulierung geheimer, verbotener Wünsche, mit einem heftigen Klick auf die Entertaste zur Erfüllung gebracht, so dass selbst Tony Sopranos Psychoanalytikerin Dr. Melfi erröten würde. Diese ganze Wahrheit lässt erst die bisher rätselhaften Bilder, die uns Bing im Hintergrund seines Suchfelds serviert, im richtigen Licht erscheinen. Wie neulich dieses: Ein Vulkan – welche Urkraft der Natur, die jederzeit unerwartet ausbrechen kann!

Natürlich will jede gute Strategie abgesichert sein. Nach Sex ist bekanntlich Angst eine der wichtigsten Triebkräfte im Leben, und da kommt es nur gelegen, dass Steve Ballmer in seiner Mr-Proper-Physiognomie ein wenig an den untersetzten Mafia-Boss Tony Soprano, erinnert, der im »Waste Management« tätig ist. Wer könnte einem solchen Angebot wohl widerstehen? Bada Bing!

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